Der "Dem Streetracer seine Geschichte"-Fred

  • Interessante Frage. Es gibt keinen fertigen Plot, also ein Ziel, wo die Story mal enden wird. Ich lasse die Figuren entscheiden, wie es weiter geht. Insoweit würde ich also sagen – Option zwei. Glaub ich.

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  • Zumindest kennen die Mädels uns jetzt hier.


    Huhu Laurie :biggrin


    Oh Mann, jetzt wird's schräg. Wie soll ich das bloß wieder meinem Therapeuten erklären?




    Sonntag geht's weiter mit der normalen Story. Kapitel 60 ist fertig.

  • Heute gehts zurück zum Geschehen am Köpenicker Weg :grin


    Kapitel 60: Benders klären auf

    „Seda, Nico, kommt ihr alleine klar mit dem Stand? Liz und ich düsen mal zum Haus. Sehen, was da los ist.“ Laurie war schon halb im Aufbruch, drehte nochmal um, nahm ihre Papiere aus der Tasche unterm Tisch, griff nach einer Limodose, die noch offen dastand und lief dann zu Laura, die mit einem Händler in der Reihe gegenüber sprach. „Wir fahren mal schnell…“ erklärte Laurie, Laura hielt ihren Schlüsselbund hin. „Ja klar. Hier, nehmt meinen Wagen.“ „Okay. Komm Liz, wir müssen da sein, bevor diese Flitzpiepe wieder auftaucht.“


    Hektisch liefen sie draußen über den Platz, sprangen in den Escalade und Laurie fuhr los.

    „Langsam“, mahnte Lisa, als sie an der Ampelkreuzung aus dem Gewerbegebiet auf die Umgehungsstraße einbogen. „Die war schon rot“, kommentierte sie leise.


    Laurie drehte sich kurz um. „Dunkelgelb.“


    Als sie die lange, schnurgerade Berliner Allee herunterfuhren, gongte die Geschwindigkeitswarnung des Escalade bereits zum zweiten Mal. „Fuck, was ist denn? Warum macht der so einen Alarm?“


    „Du bist zu schnell. Denk an den Blit…“



    FLASH! – Ein greller roter Blitz flutete für einen Sekundenbruchteil das Cockpit.

    „…zer!“


    Laurie ging nicht vom Gas.

    Im selben Moment ertönte erneut der Warnton, Lisa schielte auf das Display. Lauras Profil war aktiv. Sie sah kurz auf die digitale Geschwindigkeitsanzeige und dann zu Laurie.


    „Nja“, machte sie leise.


    „Was?“


    Lisa zog die Schultern hoch. „Deine Mom wird bald Post bekommen.“


    „Wie schnell war ich?“


    Dann bogen sie in den Köpenicker Weg ein. Laurie parkte leicht schräg auf dem Randstreifen – ein Rad auf dem Gehweg. Sie gingen ins Haus. „Sie sind bei Bender, hat Mila gesagt“, erinnerte sich Lisa, also gingen sie die Treppe hinauf und klingelten an seiner Tür.


    Bender öffnete, bat die zwei herein. Mila saß im Wohnzimmer, in der Hand eine Tasse Tee. Sie stand auf, als Laurie und Lisa hereinkamen. Auf dem Teppich saßen Gerda und Edgar und spielten mit einem kleinen Globus. „Hi, Gerda“, grüßte Laurie und kniete sich kurz neben sie. „Machst du mit deinem Bruder eine Weltreise?“ Gerda lachte leise und drehte den Globus. „Na, dann viel Spaß.“ Laurie stand wieder auf und wandte sich Bender und Mila zu. „So. Jetzt noch mal der Reihe nach.“


    Mila kam einen Schritt näher, sah kurz zu Bender, dann begann sie. „Heute früh hat geklingelt an Tür. Mann und Frau. Er hat gesagt, er ist jetzt Besitzer. Ich soll Miete bezahlen. An ihn. Jetzt.“


    „In bar?“, hakte Laurie nach. „Und warum sollte das Haus ihm gehören?“


    „Er hat gesagt: Erbe.“


    Laurie und Lisa wechselten einen Blick. „Erbe?“, fragte Laurie. „Interessant“, meinte Lisa nur.


    „Interessant? Der Typ behauptet, er hätte mein Haus geerbt!“


    „Abwarten. Ich denke, wir wissen jetzt – vielleicht – wer das ist.“


    „Der Junge aus dem Album? Der Maybe-Neffe?“


    Bender nahm seine Pfeife aus der Brusttasche.


    „Das würde erklären“, schlussfolgerte Lisa, „woher er überhaupt von der Sache weiß.“


    „Wenn er ein Verwandter ist, hätte das Amt mit ihm Kontakt aufgenommen“, überlegte Laurie.


    „Davon gehe ich aus.“


    Mila hob vorsichtig die Hand. „Er hat noch gesagt, dass er hat nicht nein gesagt.“


    Lisa richtete sich auf. „Hat er das genau so gesagt?“


    „Da. Und deshalb Haus jetzt ihm.“


    Lisa lehnte sich zurück. „Dann stimmt das, was ich vermute. Er hat einen Brief bekommen, gelesen – und wahrscheinlich völlig falsch verstanden, was drinsteht.“


    Laurie sah sie fragend an.


    Lisa fuhr fort: „Das Nachlassgericht verschickt in solchen Fällen eine Mitteilung: Sterbefall, Testament, Eröffnung. Und dass bestimmte Personen – also auch er – als Beteiligte geführt werden, weil sie gesetzliche Erben wären, wenn es kein Testament gäbe. Das heißt aber nicht, dass sie irgendetwas bekommen.“


    Laurie runzelte die Stirn.


    „Er denkt wahrscheinlich“, sagte Lisa, „Beteiligter bedeutet gleich Erbe. Und weil im Schreiben steht, dass man Einwände gegen das Testament erheben kann, hat er daraus gemacht: Wenn ich nicht widerspreche, gehört mir automatisch alles.“


    „Das ist doch völlig bescheuert“, fand Laurie und wischte kurz mit der Hand vor dem Gesicht hin und her.


    „Bescheuert vielleicht“, meinte Bender ruhig. „Aber nicht zwingend böswillig.“


    „Mir ist ziemlich egal, ob er böswillig ist. Er läuft durch das Haus und kassiert Miete.“


    „Noch kassiert er gar nichts“, sagte Lisa.


    Laurie sah auf die Uhr. „Dann sollten wir dafür sorgen, dass er bei seinem nächsten Besuch eine Überraschung erlebt.“


    „Wir wissen noch nicht mal, wie er aussieht“, gab Lisa zu bedenken.


    Mila hob die Hand. „Ich weiß, ich habe ihm ja gesehen. Er hat Augen ganz nah zusammen“, erklärte sie. „Und Nase so nach oben … cum să zic? Wie wenn immer Himmel schauen.“. Und so eine Jacke.“ Sie machte eine hilflose Bewegung. „Teuer.“


    „Das hilft ungemein“, murmelte Laurie.


    „Er kommt wieder“, sagte Mila. „Später, hat er gesagt.“


    Laurie stand auf. „Dann warten wir.“


    Im nächsten Moment klingelte es auch schon unten im Erdgeschoss.


    Mila zuckte zusammen. Ein weiteres Klingeln, dann Schritte im Treppenhaus, eine Männerstimme, eine zweite, weibliche.


    Laurie ging zur Tür. „Das werden sie sein.“


    Bender steckte die Pfeife wieder ein. „Das würde ich ebenfalls vermuten.“

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  • Laurie legte ein Ohr an die Tür und lauschte. „Jetzt sind sie drüben bei Gustav“, flüsterte sie.


    „Hier ist die Bude vom Alten, da brauchst du nicht schellen.“, erklärte die männliche Stimme mit einem leicht genervten Unterton. „Dann hier. Bei Bender. Schell mal.“


    Benders angenehmer Türgong erklang. Laurie flüsterte weiter „Geht mal alle zurück ins Zimmer, lasst mich aufmachen.“

    Bender und Lisa zogen sich zurück und warteten hinter der offenen Wohnzimmertür. Edgar brabbelte kurz vor sich hin, wurde aber gleich von Gerda beruhigt.


    Laurie öffnete die Tür einen Spalt und sah hindurch. Tatsächlich – der Junge aus dem Fotoalbum. Um Jahrzehnte gealtert, aber das Gesicht war unverkennbar.

    Jetzt ein Mann, Mitte fünfzig, breiter Stand, die Brust leicht vorgeschoben, den Kopf minimal zurück. Die Jacke zu edel für den Rest, die Schuhe zu glänzend. In der Hand eine alte Umhängetasche, die er wie ein Aktenkoffer trug.


    Er sah sie, zog kurz die Augen noch enger zusammen.

    „Schoppenhauer“, stellte er sich knapp vor. „Oder Schoppe. Ist einfacher – eh eh eh. Tag“ – er sah nochmal kurz auf das Klingelschild. „... Frau Bender.“


    Laurie zögerte einen Moment. „Ähm … guten Tag.“


    „Ich bin der Neffe.“ Er nickte Richtung Wohnungstür von Gustav. „Vom Alten. Das läuft ab jetzt über mich.“


    „So?“ Laurie öffnete die Tür zu Benders Wohnung ein Stück weiter. Schoppe nahm die Bewegung sofort an, trat einen halben Schritt näher, als würde er eingeladen werden, obwohl sie nur im Türrahmen stand.


    „Du bist die …?“ Er ließ den Satz offen, wartete, dass sein Gegenüber ihn vervollständigte. Laurie blieb sachlich: „Laurie mein Name.“


    Schoppe grinste breit, zu selbstbewusst. „Na siehste Laurie. Sind deine Eltern da?“ Er klopfte mit zwei Fingern gegen seine Umhängetasche. „Ich hab die Unterlagen dabei.“


    Laurie blieb im Türrahmen. „Was genau möchten Sie?“


    „Na, ich muss natürlich wissen, woran ich bin. Wer hier im Haus so alles wohnt.“ Er sah in die Wohnung, als würde er den Zustand prüfen. „Ich will hier keinen Stress machen.“ Er sagte es mit dem Ton eines Mannes, der bereits Stress machte. Dann erst fiel die eigentliche Erklärung: „Ich bin der neue Besitzer.“


    Laurie blockierte den Blick mit einer kleinen Körperdrehung. „Ah. Sind sie das. Mein… er ist hinten – im Wohnzimmer.“


    „Dann hol ihn mal.“ Er nickte, als hätte Familie Bender ihn längst erwarten müssen. „Ich wollte mich nur mal vorstellen. Gehört sich ja so. Wenn man jetzt Vermieter ist.“ Er betonte das „man“, als wäre es ein besonderer Status.


    Laurie blieb ruhig stehen, dann kam Lisa aus dem Zimmer zur Tür. „Tag Frau Bender. Schoppe… nhauer – der neue Vermieter“, rief er ihr entgegen. Die Frau hinter ihm nickte nur minimal und schwieg.

    Bewusst langsam ging Lisa – ebenfalls schweigend – bis zur Tür, die Arme vor der Brust verschränkt. „Aha. Sie sind das? Ich habe schon gehört – Sie stellen sich hier als neuer Eigentümer vor. Kann ich mal einen Beleg dafür haben? Ich meine… da könnte ja jeder kommen und sowas behaupten. Haben sie etwas Schriftliches?“


    Schoppe grinste breit, und versuchte, seine Tasche zu öffnen, ohne den Blick von Laurie und Lisa abzuwenden. Es gelang ihm nicht, er reichte der Frau die Tasche. „Gib mal den Brief“, forderte er.


    Die Frau öffnete etwas umständlich die braune Kunstledertasche. Schoppe nutzte die Pause für eine Nachfrage. „Die Frau von unten – Frau...Sabba…“ „Sava“, korrigierte Laurie. „Oder so. Ist nicht zu Hause? Wir haben ihr heute Morgen extra gesagt, dass wir noch mal vorbeikommen. Und jetzt macht sie nicht auf.“


    „Frau Sava ist hier“, erklärte Lisa betont ruhig.


    „So. Na gut, dann können wir das mit der Miete ja gleich hier regeln.“


    „Können wir“, bestätigte Lisa und nahm das Schreiben entgegen, das er ihr reichte. Sie faltete es auf und überflog den Text. Dann sah sie Laurie an.

    „Wie ich mir gedacht hab…“, deutete sie an.


    Schoppe und die Frau machten einen kurzen Ansatz, in die Wohnung gehen zu wollen, aber Laurie blieb weiterhin im Eingang stehen.


    „Das ist das Informationsschreiben vom Nachlassgericht über den Sterbefall und der Hinweis auf ein Testament.“, stellte Lisa fest und hakte nach. „Wo ist der Rest? Der Erbschein? Der Nachweis, dass Ihnen das Haus zugesprochen wurde?“


    Jetzt meldete sich die Frau hinter Schoppe zu Wort: „Na da. Steht doch alles drinne. Der Alte is tot, die Erbschaft – mein Mann ist Beteiligter und wenn er nicht ablehnt, ist alles seins. Andere Verwandte gibt’s ja nicht mehr. Was wollt ihr denn noch?“


    Schoppe drehte sich kurz zu ihr um. „Nu mach mal den Ball flach, Kerstin. Ich klär das hier schon. Was sollen denn Benders von uns denken?“ Dann wieder zu Lisa. Er wollte ihr das Schreiben abnehmen, aber Lisa hielt es noch in der Hand. „Steht alles drin, müssen Sie nur richtig lesen. Ich bin Beteiligter, und wenn ich nicht in sechs Wochen widerspreche, ist alles klar. Ich hab nicht widersprochen. Logisch, oder? Wär ich ja schön blöd, so ne Hütte abzulehnen. Wie viele Leute wohnen hier eigentlich?


    Schön blöd, hat er gesagt…“, flüsterte Laurie Lisa zu, dann wieder zu Schoppe ein kurzes freundliches „Hm?“


    Reflexhaft erwiderte er das „Hm?“, dann sah er wieder in die Wohnung, wo Johannes Bender im Flur auftauchte, die kalte Pfeife wieder zwischen den Lippen. „Ah, Herr Bender, da sind Sie ja. Kommen Sie mal dazu. Ich glaube, ihre Frau versteht nicht ganz…“. Ein kurzes, unangemessen gönnerhaftes „‘Tschuldigung“ an Lisa und ein aufgesetzt mitleidiges Grinsen folgten.


    Laurie trat kurz zur Seite und Bender übernahm ihren Platz. Lisa überreichte ihm das Schreiben vom Gericht. Bender gab kurz vor, es zu lesen, dann reichte er es Schoppe. Schweigend zog er an seiner Pfeife, holte kurz Luft und sah ihn an. „Reicht nicht“, sagte er. Mehr nicht.


    Schoppe nahm das Schreiben zurück, faltete es unnötig sorgfältig zusammen, als würde das dem Papier neues Gewicht verleihen. „Reicht nicht", wiederholte er, fast tonlos. „Wieso reicht das nicht? Da steht doch alles."


    „Da steht eine Mitteilung über die Testamentseröffnung", sagte Bender ruhig. „Kein Erbschein. Ohne den gehört Ihnen hier gar nichts."


    „Aber ich hab nicht widersprochen."


    „Das war auch nicht nötig", sagte Lisa. „Es gibt ein gültiges Testament. Sie waren nie mehr als eine Formsache im Verfahren, Herr Schopenhauer."

    Schoppe starrte sie an. „Testament. Was für'n Testament? Der Alte hatte doch keine Familie mehr. Nur mich.“

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  • „Er hatte jemanden, den er sich ausgesucht hat“, erklärte Laurie.


    „Ach ja? Und wer soll das...“ Er brach ab, sah sie an, zum ersten Mal wirklich, als würde er die Frage selbst beantworten, während er sie stellte. Sein Blick wanderte von ihr zu Lisa und zurück. „Du?“


    „Ich“, bestätigte Laurie.


    Für einen Moment war es still. Dann verzog sich Schoppes Gesicht — nicht mehr die aufgesetzte Herzlichkeit von vorhin, sondern etwas Härteres. „Sie? Ein Kind kriegt das Haus, und ich, der einzige Verwandte, geh leer aus?“


    „So ist das mit Testamenten“, sagte Bender ungerührt. „Blut ist da nicht die Währung.“


    „Das ist doch’n Witz.“ Schoppe lachte kurz, ohne Freude. „Die hat den Alten doch kaum gekannt. Ich bin sein Neffe!“


    „Und trotzdem steht Ihr Name nicht drin“, sagte Lisa. „Das war seine Entscheidung. Nicht unsere.“


    Kerstin zog kurz an Schoppes Arm. „Moment mal...“


    Er schüttelte sie ab, ohne sie anzusehen, den Blick noch immer auf Laurie geheftet. „Und die ganzen Mieter hier — die zahlen jetzt alle an die? An so’n Mädchen?“


    „An mich“, sagte Laurie, ruhig, aber mit einer Schärfe, die vorher nicht da gewesen war. „Auf mein Konto. Nicht bar, nicht an Sie, nicht an irgendjemanden, der hier auftaucht und behauptet, ihm würde was gehören.“

    Schoppes Kiefer arbeitete, aber es kam nichts. Bender machte einen halben Schritt zur Seite — keine Einladung, eher eine klare Markierung der Tür als Grenze.


    Dann wieder die Frau. „Aber Augenblick. Wer sagt uns denn, dass das überhaupt seine Richtigkeit hat? Wenn ihr uns hier Kappes erzählt. Damit ihr keine Miete zu zahlen braucht.“


    „Ja genau. Die denken sich hier irgendwelche Stories aus und meinen, sie könnten uns für doof verkaufen“, stieg Schoppe ein. „Habt ihr denn nen Nachweis?“


    „Wozu?“, fragte Bender knapp. „Sie wissen jetzt, dass Sie nicht der Eigentümer sind — aufgrund dieses Schreibens. Wer es stattdessen ist, geht Sie im Grunde einen feuchten Kehricht an.“


    „Nee nee, so haben wir nicht gewettet. Jetzt mal ernsthaft. Wir haben die Würfel auf den Tisch gelegt, jetzt will ich auch was sehen…“


    Laurie übernahm wieder. „Ach lasst mal. Wir wollen die zwei ja auch nicht dumm sterben lassen. Wenn sie einen Nachweis wollen, dass sie hier mit den richtigen Leuten sprechen, dann sollen sie den auch bekommen.“ Dann zu Bender, mit einem kleinen Augenzwinkern: „Hast du mal eine Kopie vom Erbschein da… Papa?“



    Lisa drehte sich weg und unterdrückte mühsam ein Lachen, Bender grinste knapp und ging ins Wohnzimmer.

    Mit einer Klarsichthülle kam er zurück, zog Lisas Infoschreiben heraus, an dem die Kopie des geforderten Dokuments festgeheftet war. „Hier.“

    Er reichte die Blätter Laurie, die gab sie weiter an Schoppe. Der begann neugierig zu lesen, Kerstin sah ihm über die Schulter.

    Schon bei den ersten Zeilen stockte er. „Nee, Moment mal. Da steht nix von Laura Bender. Hier.“ Er zeigte mit dem Finger auf eine Textpassage. „… beerbt worden ist von einer Laurie‑Nadine…“


    Laurie unterbrach. „Niemand hat behauptet, dass ich Laura Bender heiße…“


    Schoppe ließ das Dokument sinken, sah wieder kurz zum Klingelschild. Laurie streckte ihm die Hand entgegen und stellte sich förmlich mit vollem Namen vor. Schoppe drehte sich zu Kerstin um.


    „Und was macht ihr dann alle hier in der Wohnung?“, fragte sie.


    Laurie zog kurz die Schultern hoch. „Ich kümmere mich um meine Mieter. Ich hatte gehört, es gibt hier Stress mit jemandem, der unberechtigt Mietzahlungen einfordert. Und da musste ich doch mal nach dem Rechten sehen…“


    Schoppe wollte das Schreiben einstecken, aber Lisa war schneller. Sie nahm es ihm aus der Hand und reichte es zurück an Bender.


    „Ich lass das prüfen“, sagte Schoppe schließlich, lauter als nötig. „Ich geh damit zu ’nem Anwalt. Das ist noch nicht vorbei.“


    „Das steht Ihnen frei“, sagte Lisa, unbewegt. „Aber der wird Ihnen auch nichts Anderes sagen.“


    Er sah sich noch einmal um, als suche er nach einem letzten Wort, das ihm die Situation zurückgeben würde. Fand keins. Drehte sich um. Kerstin folgte ihm, kopfschüttelnd, halb zu ihm, halb zu sich selbst murmelnd. Niemand sprach, bis die Schritte auf der Treppe verklungen waren, dann fiel die Haustür dumpf ins Schloss


    Bender atmete hörbar aus und zog an der Pfeife – ohne sie anzuzünden.


    „Nun“, sagte er. „Das wäre geklärt.“


    Laurie lehnte sich gegen den Türrahmen, spürte erst jetzt, wie sehr ihre Hände gezittert hatten. „Vorerst.“


    „Vorerst“, bestätigte Lisa.


    Aus dem Wohnzimmer kam Mila in den Flur, Edgar auf dem Arm, Gerda dicht hinter ihr. „Er kommt nicht wieder?“


    „Nicht so schnell“, sagte Laurie. „Und wenn doch — dann steht jemand von uns wieder hier vor der Tür.“


    Mila sagte nichts. Aber ihre Schultern sanken ein kleines Stück, zum ersten Mal seit Laurie sie heute gesehen hatte.

  • „Jemand einen Kaffee? Mila, setzen Sie einen auf? Und ich glaube, ich habe noch etwas Kakao für die Kleinen. Schauen Sie mal nach…“ brach Bender die Stimmung auf.


    Lisa sah kurz auf die Uhr und lehnte freundlich ab. „Mh, danke, ein anderes Mal, ja? Wir müssen zurück, der Markt läuft noch und ich will meine Frau nicht länger allein lassen.“


    Laurie bückte sich nochmal zu Gerda und reichte ihr die Hand. „Tschüss Gerda, ich muss leider schon wieder los. Wir sehen uns, wenn du wieder zu uns kommst, ja? Die Lorelei wartet schon auf dich. Und Hook auch.“


    „Lo-lei? Prima!“, freute sich Gerda und lachte, dass selbst Bender sich kurz das Auge rieb.


    Er verabschiedete Lisa an der Tür, und während sie schon die Treppe runterlief, hielt Bender Laurie noch einen Augenblick zurück. „Wissen Sie, Laurie. Ich habe keine Kinder…“


    „Aber?“


    „Aber, wenn ich eine Tochter gehabt hätte… ich wäre stolz, wenn sie so wäre wie Sie… wie Du.“


    Laurie blieb einen Moment still stehen. Dann lächelte sie und drehte sich schnell weg. Im Weggehen hob sie die Hand und rief „Tschüss Papa.“

  • Moin zamm. Kurze Ankündigung: Heute is in der realen Welt Betriebsausflug und das neue Kapitel ist noch nicht ganz fertig. DerAusflug soll aber gegen 2300 enden, mit etwas Glück schaff ich das noch, sonst gibt es den Nachschub morgen früh, bevor ich nach Hamm fahr zum Oldtimermarkt.


    Dann noch ein komplettes Kapitel erdenken und aufschreiben bis Sonntag wird knapp, ist aber nicht unmöglich.


    Danach bin ich erstmal zwei Posting-Wochenenden im Urlaub. Laurie und die ganze Bande kommen aber aufm Klapprechner mit. Also, wenn mir was einfällt, geht es nicht verloren. Posten kann ich von dem Ding aber nicht oder nur schlecht. Wir machen also erstmal zwei Wochen Pause. Am 25. gehts voraussichtlich im normalen Rhythmus weiter. Bis zum Showdown. Oder zum Happy End. Oder was auch immer noch kommen iwrd...