Der "Dem Streetracer seine Geschichte"-Fred

  • Laura blieb noch einen Moment stehen, Laurie weiter neben ihr. Langsam, zögerlich, nahm Mila das Mädchen an die Hand und stieg erst jetzt die letzten zwei Stufen hinauf. Direkt am Treppenabsatz blieb sie stehen und streckte vorsichtig die Hand aus.

    „Ich bin Mila“, sagte sie leise; der Akzent war unüberhörbar. „Ich putze hier. Und für Herr Bender. Manchmal. Ich wohne unten.“ Während sie sprach, rückte sie das Kind wieder ein kleines Stück höher auf den Arm – eine beiläufige, vertraute Bewegung.


    Laura nahm ihre Hand und lächelte. „Ich bin Laura. Und das ist meine Tochter Laurie.“ Dann sah sie den kleinen Jungen an. „Und wer bist du?“


    „Das ist Edgar, mein Sohn.“ Der Satz klang einen Hauch wärmer.


    Dann legte sie die Hand an den Hinterkopf des Mädchens und schob es ein Stück vor. „Sie ist Gerda.“ Die Bewegung war sachlich, fast routiniert – nicht unfreundlich, aber ohne dieselbe Selbstverständlichkeit wie bei Edgar.


    Gerda stand still, zu still für ihr Alter. Sie sah Laurie an – nicht nur vorsichtig, sondern mit einem Moment reinen Staunens, als hätte sie so jemanden noch nie gesehen. Der Blick blieb hängen, groß, unsicher, fast ehrfürchtig.


    Laurie grinste kurz und winkte, mehr nicht. Gerda rührte sich nicht; sie beobachtete Laurie weiter, als müsse sie erst verstehen, wen sie da ansah.


    Laurie spürte einen winzigen Stich Irritation, ein Gefühl, das sie nicht einordnen konnte. Etwas an Milas Tonfall, an der Art, wie sie die beiden Kinder hielt – nicht falsch, nur… unausgewogen.


    „Kommen Sie doch einen Augenblick herein“, bat Laura.


    Mila schüttelte sofort den Kopf. „Ich will nicht stören. Sie haben sicher viel zu tun.“ Doch Gerda löste sich in diesem Moment von ihr und lief in die Wohnung – an Laura und Laurie vorbei, an Lisa vorbei, direkt ins Wohnzimmer. Dort blieb sie abrupt stehen, wie festgefroren.


    „Gerda! Komm wieder her“, rief Mila. Die subtile Strenge im Unterton war deutlich. „Entschuldigen Sie bitte. Sie will sicher nur den Vogel ansehen.“ Dann wieder, schärfer: „Gerda!“


    Lisa ging hinterher, legte den Ordner auf dem Tisch ab und hockte sich neben die Kleine. „Suchst du den Vogel?“


    Gerda blieb stumm. Sie sah sich im Zimmer um, suchend, als würde sie erst jetzt wirklich erkennen, dass der Platz leer war, an dem der große Vogelkäfig gestanden hatte. Einen Moment lang blieb sie stehen, die Stirn leicht gerunzelt, als versuchte sie, das Fehlen zu begreifen. Dann formten sich ihre Lippen zu einem unsicheren, kaum hörbaren Laut: „lo‑lei?“


    Lisa beugte sich leicht vor. „Ja, der Vogel“ fragte sie leise. Dann, ruhig erklärend: „Der ist nicht mehr hier. Der wohnt jetzt bei uns. Der hat jetzt ein eigenes großes Zimmer.“


    Gerda blieb noch einen Herzschlag lang stehen, als würde sie prüfen, ob das stimmen konnte. Dann drehte sie sich um und lief zurück – zur Tür, zur Treppe, hinunter in die Wohnung.



    Mila war in zwischen hereingekommen, stand jetzt an Durchgang zum Wohnzimmer und sah ihr nach. „Entschuldigen Sie bitte“, sagte sie noch einmal, diesmal leiser.

    Sie atmete tief durch. Man sah, wie sie sich sammeln musste, bevor sie weiter sprach. „Darf ich fragen? Sie werden… jetzt kündigen?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauchen, der Akzent stärker als zuvor.


    Laurie sah zu Laura. Laura hob nur kurz die Schultern, ratlos. „Wahrscheinlich ja. Wir brauchen keine Wohnung. Können Sie uns sagen, wer der Vermieter ist? Dann müssen wir nicht erst den Vertrag suchen.“


    Mila zog die Brauen zusammen, als hätte sie die Frage nicht verstanden. „Hier Vermieter.“ Ein kurzer, nervöser Atemzug. „Gehört ihm. Gehört Gustav.“

    Laura blinzelte, der Kiefer stand einen Moment offen. „Ah… die Wohnung gehörte ihm?“ Sie sah zu Laurie, ein stummer Hinweis: Siehst du? Eine ganze Wohnung. Nicht nur ein Auto und Trödel.


    Doch Mila schüttelte sofort den Kopf, schneller, dringlicher. „Nein. Nicht Wohnung.“ Sie machte einen Schritt vor, Edgar fester auf dem Arm, eine kurze, fahrige Handbewegung. „Haus. Ganzes Haus gehört Gustav.“


    Laurie erstarrte. Laura auch. Einen Moment lang sagten beide nichts – als hätte jemand die Luft aus dem Zimmer gezogen.


    Mila fuhr hastig fort, die Worte stolperten übereinander. „Darum ich frage… ob Sie kündigen werden. Ich kann nicht andere Wohnung bezahlen. Ich bin allein mit zwei kleine Kinder.“ Ihre Stimme brach fast. „Bitte… bitte nicht kündigen, ja?“


    Laurie und Laura sahen sich an – ein kurzer, fassungsloser Blick. Hatten sie das richtig verstanden? Nicht nur die Wohnung. Das ganze Haus?

    Es wirkte absurd. Unwirklich. Und doch stand Mila vor ihnen, panisch, verzweifelt, als hinge ihr Leben daran. Sie hatte es gesagt.


    Der Satz brauchte einen Moment, um zu sinken. Laurie und Laura standen einfach da. Keine Worte, nur ein starrer Blick zwischen ihnen – ein Versuch, das Gesagte überhaupt zu fassen.


    Dann setzte Lauries Körper zuerst die Reaktion um, die ihr Kopf noch nicht hatte. Sie wich einen halben Schritt zurück, noch einen, bis die Knie den Sessel hinter ihr trafen. Sie sank hinein, eher gefallen als gesetzt.


    „Fuck.“ Leise, fast tonlos. Kein Ausbruch – nur ein Reflex.


    Laura blieb stehen, die Hand leicht geöffnet, als hätte sie etwas festhalten wollen, das nicht da war. Ihr Blick wanderte zwischen Laurie und Mila hin und her, suchend, aber ohne Sprache.


    Einen Moment lang war es still. Nur Atmen. Nur das Zimmer. Gustavs Wohnzimmer.


    Dann räusperte sich Lisa leise. Sie hob den Ordner vom Tisch, den mit dem schlichten Etikett Haus, und hielt ihn an die Brust gedrückt.

    „Ich wollte es euch gerade sagen.“ Ihre Stimme war ruhig, fast entschuldigend. Sie klappte den Ordner ein Stück auf, als wäre das die einzige mögliche Bewegung in diesem Moment.

  • Mila war gegangen, die Wohnungstür war wieder geschlossen. Im Obergeschoss hörte man einen Stuhl umfallen, ansonsten Stille. Minutenlang.

    Bis Lauries Handy sich meldete.

    Eine kurze Sprachnachricht von Seda. Mechanisch tippte Laurie auf Abspielen, dann war die Stimme ihrer Freundin zu hören: „Hii. Geht’s dir gut? Und dem Vogel? Und— bist du jetzt reich? Hihi, Spaß. Meld dich mal, es gibt Neuigkeiten wegen den Videos. Und… äh… gestern war’s ein bisschen stressig. Marek und Rolle haben sich fast gekloppt. Ich hab nur das Ende gesehen, aber Rotter musste dazwischengehen. Naja… sag Bescheid, ob du nächste Woche wieder kommst, okay? Tschüssii.“


    Laurie hörte die Nachricht zu Ende, ließ das Handy sinken. Sie sah kurz zu Laura, dann zu Lisa, die den Haus‑Ordner wieder vor der Brust hielt. Niemand sagte etwas.


    Plötzlich sprang Laurie auf — so abrupt, dass Lisa kurz zusammenzuckte. Sie ging ins Schlafzimmer, kippte einen Wäschekorb aus, in den Laura vorhin schon einige aussortierte Wäschestücke gelegt hatte, kam damit zurück und packte die Ordner hinein — Auto, Bank, Garagen, Versicherung, Haus. Dann warf sie nur ein kurzes „Los“ in den Raum und ging zur Tür. Laura folgte ihr, Lisa zuletzt.

    Im Treppenhaus war es still. Lauries Sneaker quietschten auf dem Stein. Unten im Flur stand noch Milas Wischmopp an die Wand gelehnt.

    Draußen war die Luft kalt. Laurie stellte den Wäschekorb in den Laderaum des Escalade, blieb aber stehen, die Hände noch am Rand des Korbs. Der Blick ging kurz zurück zum Haus, dann wieder zu den Ordnern. Auto. Bank. Garagen. Versicherung – Haus. Fünf Wörter. Keines davon wog heute noch so wenig wie gestern. Und eines davon wog schwer wie Blei.

    Laura drückte die Taste an der Fernbedienung, sirrend senkte sich die Heckklappe und schloss mit einem dumpfen Klack.



    Ein Stück die Straße runter stand ein gelber BMW. Lauries Blick blieb automatisch daran hängen — Marke, Farbe, das tiefergelegte Fahrwerk, noch bevor ihr bewusst wurde, dass sie das Auto kannte. Aber der Gedanke verlief sich sofort. Kein Name, keine Verbindung. Sie sah weg.

    Lisa kam den Weg herunter, den Schlüsselbund noch in der Hand. „Wir sollten erstmal nach Hause", sagte sie. Keine Lösung, kein Plan — nur ein erster, kleiner Schritt, den man fassen konnte.


    Laurie nickte, ohne sich zu bewegen.

  • Kapitel 47: Ick mach dit

    Das Wochenende war ruhig. Kein Markt, keine Veranstaltungen, nicht mal störende Anrufe – einfach Ruhe. Ruhe, die Laurie brauchte, um nachzudenken. Und ebenso Lisa und Laura, die bei zwei Tassen Tee in der Küche saßen. Die Ordner von Gustav lagen unten im Büro.


    Lisa setzte ein paarmal an, Laura etwas zu fragen, fand aber irgendwie keinen Anfang. Das Thema lag offen auf dem Tisch: Laurie sollte ein Haus erben. Ein bewohntes Haus. Sowas bedeutete nicht nur eine finanzielle Last. Ein älteres Gebäude hatte immer Reparaturbedarf, aber dafür gab es Rücklagen. Gustavs Konto mit den fast dreißigtausend Euro, sicher seine Reserve für spontan anfallende Kosten.


    Mit Immobilien kannten sie sich aus. Laura hatte als Eigentümerin der alten Textilfabrik oft genug geflucht: wenn der Denkmalschutz wieder etwas verlangte, das sofort umzusetzen war; wenn irgendwo eine Leitung streikte; oder wenn die Stadt mit neuen Auflagen kam, die keiner eingeplant hatte. Dinge, die einfach passieren und bezahlt werden müssen.


    Nein, das war nicht das Problem. So ein Haus zu besitzen war schon eine große Sache,aber nichts, was Laurie permanent überfordern würde. Mit Lisa und Mom unterstützend im Rücken würde sie das schon hinbekommen. Die Verantwortung war es, die drückte. Die Verantwortung nicht nur für die Mauern, sondern für die Menschen darin.


    Einige hatten sie schon gesehen. Herrn Bender von gegenüber. Ein ruhiger, seriöser Mann, Anfang bis Mitte sechzig, gepflegt, Oberstudienrat im Ruhestand.. Dann Mila, die scheue junge Frau mit den zwei kleinen Kindern. Ihrem Akzent nach kam sie aus Osteuropa, vielleicht Rumänien, Bulgarien, eventuell Moldawien. Jedenfalls schien sie noch nicht lange in Deutschland zu sein.

    Wer sonst noch dort wohnte, würden sie bald erfahren. Falls Laurie sich entschließen würde, das Erbe anzunehmen.


    Drüben wurde die Wohnungstür ins Schloss gezogen. Laura und Lisa lauschten einen Moment, bis unten der raue Sechszylinder von Hook anspringen würde. Aber nichts. Es blieb still auf dem Hof. Sie sahen nicht hinaus, blieben am Tisch sitzen. Lisa rührte im Tee, Laura holte kurz das Handy hervor, scrollte durch ein paar Nachrichten. Dann setzte Lisa nochmal an: „Sie wird einiges schultern müssen. Erbschaftsteuer um Beispiel.“


    Laura nickte, ohne überrascht zu wirken. „Hab ich auch schon dran gedacht. Das Guthaben auf Gustavs Konto reicht dafür nicht.“


    Lisa schob ihre Tasse ein Stück zur Seite. „Das Finanzamt nimmt den Verkehrswert. Und bei einem bewohnten Haus ist der nicht niedrig. Da kommt was zusammen.“ Sie sagte es sachlich, nicht dramatisch.


    Laura atmete leise aus. „Wenn sie will, geb ich ihr das Geld.“


    Lisa hob den Blick. „Dann musst du Zinsen nehmen. Sonst wertet das Finanzamt das als Schenkung.“


    Laura nickte. „Gut. Machen wir so. Wenn Laurie das möchte.“


    Lisa fuhr fort, jetzt in ihrem typischen Behörden‑Ton: „Wir brauchen dann einen kurzen Vertrag. Nichts Großes. Ein Blatt Papier, Betrag, Zinssatz, Rückzahlung offen. Hauptsache, es ist nachvollziehbar. Das Amt will sehen, dass es kein Geschenk ist.“


    Laura verzog keine Miene. „Kriegen wir hin.“


    Stille. Der Tee dampfte.


    Lisa lehnte sich zurück. „Und den Erbschein, den kann sie jetzt schon beantragen. Das Gericht hat alles, was es braucht. Wenn niemand widerspricht, läuft das durch.“


    Laura sah zur Tür, als würde Laurie jeden Moment hereinkommen. „Ich will sie nicht überfahren. Schon planen, bevor sie überhaupt sagt, was sie will.“


    Lisa nickte. „Wir warten ab. Und wenn sie nur wegen dem Geld zögert, bieten wir’s an. Ohne Druck.“


    „Genau. Wir warten.“


    Die beiden blieben sitzen, ruhig, konzentriert, ohne Eile. Laurie musste entscheiden. Sie würden den Rest abfangen.

  • Es waren sicher fast drei Stunden vergangen. Laura saß inzwischen vor dem Fernseher, Lisa las ein Buch. Von Laurie war weit und breit nichts zu sehen und zu hören.

    Lisa sah kurz von ihrem Roman auf. „Weißt du was?“


    „Hm?“


    „Ich hab Hunger.“


    Laura drehte den Kopf mit diesem kleinen fürsorglichen Impuls, wach, leicht gespannt. „Soll ich dir was kochen? Was möchtest du?“


    Lisa schüttelte den Kopf, lächelte. „Nee. Weißt du, worauf ich jetzt richtig Bock hätte?“


    „Döner. Mit alles. Und scharf.“


    „Auch gut. Aber nein.“ Sie leckte sich kurz die Lippen. „Ich will ’ne Pizza. Mit richtig viel Käse.“


    Laura stand auf. „Au ja. Los, lass uns fahren.“


    „Warte, ich zieh mir schnell was an.“ Lisa sah an sich herunter — das Outfit war eindeutig zu leicht, zu sehr „Wohnung“, absolut nicht straßentauglich.


    „Brauchst du nicht.“ Laura lächelte, ein warmer Unterton. „Bleib einfach im Auto. Wir nehmen die Pizza mit.“


    „Na gut.“


    Sie stiegen in den Escalade. Lisa blätterte auf dem Handy durch die Karte ihrer Stamm‑Pizzeria. „Für Laurie auch? Sie kommt doch irgendwann wieder. Und dann beschwert sie sich, wenn wir ihr nichts mitgebracht haben.“


    „Okay, dann drei.“


    Eine halbe Stunde später lagen drei duftende Pizzaschachteln hinten im Fußraum. Laura hielt kurz an der Tankstelle, während Lisa versuchte, Laurie telefonisch zu erreichen.


    „Nichts. Es klingelt nicht.“ Sie klang nüchtern. „Wahrscheinlich hat sie das Handy ausgeschaltet.“


    „Die Dinger kann man ausschalten?“, grinste Laura und stieg wieder ein. „Wenn ich das früher gewusst hätte.“


    „Komm, gib Gas. Ich hab Hunger. Aber denk an den Blitzer…“


    Laura beschleunigte den Escalade und bremste kurz vor dem berüchtigtsten Blitzer der Stadt hart ab.


    „Hee, die Pizzen.“ Lisa protestierte und tastete kurz nach hinten. Kaum war die Säule passiert, stand Laura wieder auf dem Gas.


    Hundert Meter weiter — zweite Kontrolle. Ein Streifenwagen, zwei Beamte, mobile Messung. Laura bremste scharf. Lisa rutschte nach vorn, ihr viel zu leichtes Outfit verrutschte minimal.


    „Oh shit“, murmelte sie. „Doch nicht jetzt.“


    Der Beamte kam ans Fenster. „Guten Abend. Geschwindigkeitskontrolle.“


    Laura lächelte entschuldigend. „Tut mir leid. War ich etwa zu schnell?“


    Der Blick des Beamten glitt kurz zu Lisa — eindeutig nicht öffentlichkeitstauglich gekleidet, die Arme verschränkt, das Handy halb vor der Brust wie ein Schild.


    „Äh… wir holen nur Pizza“, sagte sie trocken, ohne dem Polizisten in die Augen zu sehen.


    Der nickte, professionell, aber mit einem winzigen Zucken im Mundwinkel. „Dann fahren Sie bitte vorsichtig weiter. Und vielleicht… regeln sie die Heizung etwas herunter?“


    Laura bedankte sich, fuhr an. Lisa sank in den Sitz zurück.


    „Super“, murmelte sie. „Jetzt weiß die ganze Polizei, wie ich zuhause rumlaufe.“


    „Ach, der fand dich bestimmt auch niedlich“, grinste Laura, die Stimme ungewohnt warm, als würde Lisa im Auto mehr zeigen als geplant.


    „Ja klasse.“


    Laura grinste, gab Gas — diesmal kontrolliert.


    Einige hundert Meter weiter nahm sie den Fuß wieder vom Pedal und bremste sanft ab. Am Straßenrand, auf dem Gehsteig, war Laurie.

    Laura hupte kurz, hielt neben ihr. Lisa öffnete das Fenster. Laurie kam an den Wagen, sah hinein, staunte ebenfalls über Lisas Outfit und schnupperte neugierig.


    „Wo warst du denn?“, fragte Laura vom Fahrersitz, die Stimme wieder ruhig, aber mit diesem kleinen Tonwechsel, das sie bekam, wenn sie erleichtert war.


    Laurie beugte sich ins Auto. „Was duftet denn hier so? Ist das eine—“


    „Calzone Grande. Ohne Pilze.“ bestätigte Lisa.


    Ein kurzes Leuchten ging über Lauries Gesicht. Dann riss sie die hintere Tür auf, sprang in den Wagen, zog die Knie an, um nicht die Pizzaschachteln zu zertreten, und rief lachend: „Los, Vollgas. Ich hab so einen Kohldampf.“


    Nur Minuten darauf stoppte der schneeweiße SUV vor der Fabrik. Laurie schnappte sich die drei Schachteln und sprintete hinein. Lisa sah sich kurz um, verschränkte die Arme und lief ebenfalls zur Tür.


    Laura drückte die Fernbedienung des Escalade und rief ihr hinterher: „Schnell, da kommen Leute.“


    Lisa stoppte, suchte kurz die Straße ab. Als niemand zu sehen war, nahm sie demonstrativ die Arme herunter und stemmte die Hände in die Hüften. Sie grinste Laura an und ging dann langsam weiter zum Eingang.


    Oben saß Laurie bereits am Esstisch und packte ihre noch leicht dampfende Calzone aus. Laura kramte nach Besteck, während Lisa kurz im Schlafzimmer verschwand um sich jetzt doch ihr cappuccinofarbenes Cardigan überzuwerfen.


    „Mnjam“, machte Laurie und biss ein großes Stück Pizza ab.


    Laura setzte sich zu ihr, sah auf ihre eigene Pizza und zählte die Ananasstücke. Sie nahm eins mit den Fingern, steckte es in den Mund., atmete einmal kurz scharf ein. „Ah, noch ganz schön heiß“, lachte sie und zog sich ein, zwei Fäden geschmolzenen Käse vom Finger.


    Lisa kam zurück, setzte sich und klappte ihre Schachtel auf. Dann sah sie zu Laurie. „Wo warst du eigentlich?“


    Laurie antwortete mit vollem Mund: „Bei Juschtav“ — und verschluckte sich beinahe.


    „Am Haus?“, fragte Laura nach.


    Laurie schüttelte den Kopf. „Mh, ne. Am Friedhof.“


    Lisa zog staunend die Brauen hoch. „Zu Fuß? Das sind doch… bestimmt fünf Kilometer.“


    Laurie nickte nur kurz. „Jepp. Hat aber gut getan.“


    „Und was hast du da gemacht?“


    „Na, mit ihn jeredet“, verfiel Laurie grinsend wieder in Justavs Berliner Slang — wie so oft, wenn sie von ihm sprach.


    Lisa und Laura sahen sich kurz an. Laurie legte Messer und Gabel beiseite, rückte ihren Stuhl ein kleines Stück nach hinten und richtete sich auf.

    „Ich weiß jetzt, was ich mache“, verkündete sie.


    Laura stellte das Essen ein und Lisa setzte ihr Glas wieder ab, ohne daraus getrunken zu haben.


    „Ich hab ihn gefragt, wie er darauf kommt, dass ich sein ganzes Haus übernehmen soll“, erklärte sie, als habe sie ganz selbstverständlich einen Dialog mit dem Verstorbenen geführt.


    Laura hielt kurz inne, Lisa ließ sich darauf ein. „Und, was hat er geantwortet?“


    Du schaffst dit, Kleene, hat er gesagt. Wenn so’n ollen Knochen wie der alte Justav dit hinkriegt, die Bude am Loofen zu halten und die Leute da drinne alle jlücklich und zufrieden sind, dann schafft meene Kleene dit jleich dreimal.“


    Laura faltete die Hände vor dem Mund, sah Laurie tief in die Augen. Langsam und bedächtig nickte sie.


    Laurie atmete einmal ein, kurz, ruhig — und sagte dann: „Ich mach das, ich nehm das Erbe an.“


    Lisa setzte gerade an, etwas zu sagen, da schob Laurie nach: „Wenn ihr mir helft. Ick schaff dit, aber nich alleene.“


    Laura legte ihre warme Hand auf Lauries und drückte sie. Lisa machte es ihr nach. Für einen Moment hielten sie einfach so — still, selbstverständlich.

    Nicht als feierlicher Schwur. Sondern als das, was es war: ein gemeinsamer Anfang. Für Justav. Für Laurie. Und für die Menschen im Köpenicker Weg Nummer 6.



    Laurie löste langsam ihre Hand, rückte den Stuhl wieder heran und zog die Pizzaschachtel ein Stück zu sich. Sie nahm ein weiteres Stück, biss ab, kaute ruhig.


    „Morgen fahr ich wieder hin“, sagte sie schließlich. Nicht laut, nicht feierlich — einfach so, als wäre es die natürliche Fortsetzung dessen, was sie gerade beschlossen hatte.


    Lisa nickte sofort, ohne nachzudenken. „Ich komm mit“, sagte sie leise.


    Laura stand auf, holte drei Gläser, stellte sie auf den Tisch. „Wir gehen alle“, sagte sie. Kein besonderer Tonfall— nur eine Feststellung.


    Laurie sah kurz zwischen ihnen hin und her, als müsse sie sich vergewissern, dass das wirklich so gemeint war. Dann nickte sie einmal, knapp. „Ist eigentlich noch was von dem Kirschwein da?“, grinste sie.


    Die drei saßen noch eine Weile so, aßen weiter, tranken die letzten zwei Flaschen Vino di Visciole, ohne viel zu reden. Die Wohnung war warm, die Pizzen verputzt, draußen war es still. Ein ruhiger Abend, der sich nicht wie ein großer Moment anfühlte — aber einer war.

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  • Wegen dem Kirschwein? Oder Lisas verrutschtes Outfit? :saint


    Ach die Hütte. Jo. Mal sehen, was unser aller Lieblingslaurie daraus macht. Ich bin selbst gespannt, wo das hinführt :gruebel:

  • Kapitel 48: Zweierlei Wahrheit


    Ein breites, beinahe fassungsloses Grinsen stand in Sedas Gesicht, als sie den Flur betrat. Laurie saß ein Stück abseits vom Klassenraum auf ihrer Tasche und tippte auf dem Handy. Sie legte es weg, als sie Seda kommen sah und stand auf. Seda streckte den freien Arm aus, umarmte Laurie einmal fest, sah sie an, schüttelte den Kopf — als wäre sie immer noch dabei, die Information zu verarbeiten.


    Sie blickte kurz über die Schulter, ob jemand in Hörweite war, beugte sich leicht vor.

    „Ich glaub das immer noch nicht“, flüsterte sie — und zitterte beinahe vor Begeisterung. „Ein Haus. Ein ganzes Haus. Mit Leuten drin. Wie…? Shit, wie geht sowas? Das ist doch… Laurie, das ist der Wahnsinn.“


    Laurie hob die Schultern, die Stirn leicht gefaltet. Sie zog Luft durch die Backenzähne und zögerte einen Moment. „Frag mich was Leichteres.“


    Seda lachte leise, immer noch halb im Überschwang. „Und du nimmst das echt an, oder? Klar, blöde Frage. So viel Kohle kriegst du nie wieder geschenkt. Ein Traum… Ich freu mich so für dich.“


    Laurie sah kurz weg, als müsste sie die Worte erst ordnen. „Die Kohle ist es nicht. Jedenfalls nicht ganz oben.“


    Seda runzelte die Stirn. „Was denn dann?“


    Laurie atmete einmal ruhig ein. „Seda… ich weiß es nicht genau. Ich will’s einfach machen. Ich will wissen, ob ich das packe, was Gustav mir da aufgeladen hat.“


    Der Überschwang in Sedas Gesicht wurde kleiner, ihr Blick ernster. „Hm, okay… aber meinst du nicht, für ein Experiment ist das ein bisschen viel Verantwortung? Die Leute in dem Haus… die haben ein echtes Leben, echte Probleme. Und wenn du das mehr so siehst wie dein… sorry, wenn ich das so sage… wie ein Puppenhaus?“


    Laurie schüttelte den Kopf. „Nein.“


    Seda fuhr fort, jetzt vorsichtig: „Weil… wenn du keinen Bock mehr hast, kannst du’s nicht einfach in die Ecke stellen und dir dein nächstes Spielzeug suchen.“


    Laurie antwortete nicht sofort. Sie sah kurz an Seda vorbei, dann wieder zu ihr — ruhig, ohne Abwehr.

    „Ich weiß, was du meinst. Und ich hab drüber nachgedacht. Mehr als mir lieb ist.“

    Sie atmete ruhig ein.


    „Wenn das für mich ein Spiel wäre, hätte ich’s längst abgelehnt. Dafür kennst du mich gut genug.“ Ein kurzer Blick zu Seda, dann wieder weg.

    „Aber das hier… das ist kein Ding, das man in die Ecke stellt. Das ist ein Haus. Real people. Mit allem, was dranhängt. Und ich hab gemerkt: Ich will das nicht wegschieben. Ich will sehen, ob ich das hinkriege. Nein — ich will das hinkriegen.“


    Sie zuckte leicht mit den Schultern.

    „Nicht wegen der Kohle. Nicht wegen dem ‚Wow, ein Haus‘. Sondern weil Gustav mir das nicht gegeben hat, weil er mich nett fand. Er hat’s mir gegeben, weil er wusste, ich pack das. Und ich will sehen, dass er recht hatte.“

    Noch ein kurzer Atemzug.

    „Wenn ich’s verkacke, dann war ich das. Und wenn ich’s hinkriege, war das auch ich. Das ist der Punkt. Verstehst du?“


    Seda nickte stumm, diesmal weniger begeistert, mehr nachdenklich. Sie sah sich wieder um, strich sich über den Ärmel. „Okay… ja. Ich glaub schon.“

    Dann, leiser: „Und… wie geht’s jetzt weiter? Ich meine, da hängt doch bestimmt einiges dran an so ’nem Erbe, oder? Ich kenn mich da nicht aus. Aber mein Baba hat mal was geerbt, von einem Onkel oder so. Da musste er damals extra in die Türkei, irgendwas unterschreiben. Glaub ich. Ich weiß nicht mehr…“


    Laurie grinste leicht. „Jepp. Ohne Mom und Liz würd ich mich da auch nicht rantrauen. Dieser ganze Verwaltungsfuck ist nicht so mein Ding. Aber Liz hat sowas drauf und Mom hat ’nen guten Anwalt. Braucht sie auch, schon wegen der Fabrik. Da gehen wir morgen hin. Der regelt das dann alles. Erbschein beantragen und was da noch so dranhängt.“


    „Okay.“ Seda kicherte leise, wieder etwas gelöster. „Und dann bist du Vermieterin? Vermieterin Laurie.“ Sie verzog das Gesicht. „Klingt irgendwie… eigenartig“, grinste sie.

    „Vielleicht kann ich ja bei dir einziehen. Wenn ich mal irgendwann…“


    Ein Gong unterbrach Seda. Ein leichtes Kratzen aus dem Lautsprecher an der Decke, dann ertönte die auffallend nasale Stimme der Schulsekretärin, wie immer im leichten Singsang einer Kaufhausdurchsage:

    Frau Seda Demirci und Herr Marek Kuberski, bitte kommen Sie ins Sekretariat. Frau Demirci und Herr Kuberski bitte. Dankee.“ Ein lautes Knacken beendete die Mitteilung.


    Seda riss die Augen auf und stülpte die Unterlippe vor. „Hä?“, machte sie leise und sah sich um. „Ich?“


    Laurie hob eine Braue. „Scheint so.“


    Seda fuhr sich wieder über den Ärmel. „Was wollen die denn jetzt?“


    Laurie zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Geh hin, dann weißt du’s.“


    „Kommst du mit?“


    „Was soll ich da? Die haben dich gerufen. Und Mack. Wo ist der eigentlich?“


    Seda sah sich kurz um, fand Marek nicht und atmete einmal tief durch. „Vielleicht draußen. Oder auf’m Klo.“

    Dann ging sie Richtung Treppenhaus.


  • Das Sekretariat lag im dritten Stock. Oben blieb sie einen Moment vor der Tür stehen, klopfte, trat zögerlich ein. Der Raum wirkte enger als sonst. Die Sekretärin, Hartmut Rotter und ein Mann in Jeans und dunkelgrauem Blouson. Seda blieb kurz stehen, als müsste sie prüfen, ob sie überhaupt richtig war. Marek war noch nicht da.


    „Guten Morgen“, sagte sie vorsichtig, schloss die Tür leise und trat an den Tresen.


    „Guten Morgen, Seda“, erwiderte Rotter mit ernstem Gesicht. Die Sekretärin nahm einen Anruf entgegen, murmelte etwas und verließ eilig den Raum.


    Rotter sah auf seine Uhr. „Haben Sie Herrn Kuberski nicht mitgebracht?“


    Seda schüttelte den Kopf, zupfte nervös ihr Kopftuch zurecht. „Nein. Weiß nicht, wo er ist.“


    Rotter nickte knapp. „Gut. Dann fangen wir schon mal an.“ Er deutete auf den Mann neben sich. „Das ist Kriminalobermeister Hennemann von der Kripo.“


    Dann auf Seda: „Frau Demirci – sie betreut die Cloud.“


    Seda streckte die Hand hin, zog sie aber zurück, als Hennemann nicht sofort reagierte. „Guten Morgen.“


    Hennemann musterte sie kurz, ohne Lächeln. „Sie sind also für die Sammlung zuständig?“


    „Ja.“


    „Gut.“ Er sah zur Tür. „Der andere Schüler…“


    „Marek Kuberski“, half Rotter.


    „Mhm.“ Hennemann blieb sachlich. „Er ist nicht da?“


    „Nein“, sagte Seda.


    Rotter blätterte in Unterlagen, suchte nach einer Entschuldigung, fand nichts. „Vielleicht kommt er noch.“


    Hennemann schob die Hände in die Jackentaschen. „Frau Demirci, ich stelle Ihnen ein paar Fragen. Bitte antworten Sie einfach direkt.“


    Seda nickte, etwas steifer als sonst.


    „Gut.“ Er machte sich eine kurze Notiz. „Es geht um die Videos zum gestohlenen Fahrzeug Ihrer Mitschülerin Laurie...“ Er stockte, suchte den Nachnamen. Seda nickte sofort. „Ja.“


    „Sie haben die Videos gesammelt?“


    „Ja.“


    „Alle selbst hochgeladen?“


    „Nein. Die meisten kamen von außerhalb, von Mitschülern.“


    „Wer genau?“


    Seda presste die Lippen zusammen. „Äh… das steht in der Liste. Ich weiß nicht alle auswendig. Manche Uploads waren auch anonym“


    „Unsere Forensiker haben das Material geprüft.“ Er sah nicht zu Rotter, sondern direkt zu Seda. „Bei einer Datei gibt es Auffälligkeiten.“


    „Auffälligkeiten?“, fragte Rotter.


    Seda hob kurz die Schultern. „Ist doch gut. Danach suchen wir doch…?“


    Hennemann unterbrach sie. „Nicht der Inhalt. Die Datei selbst.“


    Seda wurde still.


    „Eine der Dateien wirkt nicht original“, sagte Hennemann. „Mehr kann ich Ihnen dazu nicht sagen.“


    Rotter runzelte die Stirn. „Wie erkennt man das?“


    Hennemann blieb knapp. „Spuren. Unsaubere Bewegungen. Fehler im Bild. Das reicht.“


    „Und das haben Sie bei einem der Videos festgestellt?“


    „Ja.“


    „Bei welchem denn?“, fragte Seda.


    „Dazu darf ich Ihnen nichts sagen.“


    „Ach so. Ja, natürlich.“


    Rotter räusperte sich. „Und was genau sollen Frau Demirci und Herr Kuberski jetzt beitragen?“


    Hennemann sah wieder zu Seda. „Wir brauchen die Meta‑Daten. Alles, was Sie haben. Zeitstempel. Upload‑Orte. Zugriffe. Wer wann was hochgeladen hat.“


    Seda nickte, jetzt deutlich unsicherer. „Natürlich. Wohin schicken wir das?“


    Hennemann reichte ihr eine Visitenkarte, auf deren Rückseite er etwas ergänzt hatte.


    Seda bedankte sich, sah kurz zu Rotter und steckte die Karte ein. „Brauchen Sie mich dann noch?“

  • Der Unterricht lief weiter, aber nur wenige waren wirklich bei der Sache. Der Lehrer klickte durch Folien auf dem Smartboard, redete über irgendwas mit Materialkunde. Seda schrieb mit, ohne zu merken, was sie notierte. Manja starrte auf die Tischkante. Laurie saß ruhig, aber ihr Blick war nicht bei der Folie.


    Marek wirkte, als würde er jeden Geräuschwechsel im Raum doppelt hören. Er saß zu gerade, zu still, die Hände unter der Tischplatte vergraben.


    Nach ein paar Minuten sah Manja zu Laurie. „Der ist heute woanders“, murmelte sie, kaum hörbar.


    Laurie reagierte nicht sofort. Nur ein kurzer Atemzug, dann ein leises: „Er ist halt ruhig.“

    Mehr nicht. Keine Analyse. Keine Verdächtigungen.


    Seda drehte sich auch zu Laurie herüber. „Meinst du, die finden raus, wer das war?“


    Laurie sah sie an. „Wenn die sagen, es gibt Spuren… dann gibt’s Spuren.“


    Seda nickte langsam. „Ich find’s krass. Dass jemand sowas macht. Einfach… die Wahrheit ändern.“


    Laurie dachte kurz nach. „Es gibt immer zwei Wahrheiten. Die echte — und die, die jemand draus macht.“


    Seda sah sie an, als hätte sie das nicht erwartet. Manja hörte mit einem Ohr zu, ohne den Kopf zu drehen.


    Marek rutschte auf seinem Stuhl. „Kann auch ein Fehler sein“, murmelte er. „Vielleicht ist das gar nicht absichtlich.“


    Laurie drehte den Kopf minimal. „Deepfakes passieren nicht aus Versehen.“


    Marek schluckte. „Ja… klar.“


    Der Lehrer drehte sich um. „Marek? Sind Sie noch dabei?“

    Marek zuckte zusammen. „Ja. Äh. Aluminium?“

    Niemand sagte etwas dazu.


    Als der Gong kam, stand die Klasse langsam auf. Nicht hektisch — eher wie nach einer Stunde, die niemand richtig verfolgt hatte.


    Laurie packte ihre Sachen. „Wir gehen hoch“, sagte sie leise.


    Seda nickte. Manja schob den Stuhl zurück. Marek brauchte einen Moment länger, als würde er erst wieder in der Realität ankommen müssen.


    Im Flur blieb Laurie kurz stehen. „Seda, du schickst das heute noch raus, oder?“


    „Klar.“


    Seda sah zu Marek. „Und du checkst die Liste nochmal. Wer was hochgeladen hat.“


    Marek nickte — zu schnell. „Mach ich.“


    Manja sah ihn an, trocken. „Mach’s ordentlich.“


    Marek verdrehte die Augen. „Jaa.“


    Sie gingen gemeinsam den Flur entlang. Laurie vorne, ruhig. Seda neben ihr, leicht aufgeregt. Manja hinter ihnen, die Hände in den Taschen. Marek ein Stück versetzt, den Blick nach unten, Schritte etwas zu kurz.

    Keiner sagte etwas. Nur das Geräusch der anderen Klassen, die sich ebenfalls sammelten.


    Als sie den Raum für die nächste Stunde erreichten, öffnete Marek die Tür. Laurie ging als Erste hinein, Seda folgte, dann Manja. Marek blieb einen Sekundenbruchteil im Türrahmen stehen, drehte dann plötzlich ab, verschwand wieder auf dem Gang.

  • Der Federkiel ist noch warm, hier ist das nächste Kapitel:


    Kapitel 49

    Der pastellgrüne Abschleppwagen parkte hinter einem grauen, elektrisch betriebenen SUV fernöstlicher Herkunft ein. Laurie stieg aus, nahm Gustavs großen Schlüsselbund vom Sitz und blieb einen Moment stehen. Sie sah die Straße hinunter – der Köpenicker Weg war eine von mehreren Stichstraßen, die von der Berliner Allee abgingen und alle nach Berliner Stadtteilen benannt waren. Sie war kurz – vielleicht zwanzig Häuser – und endete in einem kleinen rechteckigen Areal, das zusätzlichen Parkraum für die Anwohner bot. Dahinter ein Garagenhof. Laurie sah auf die Uhr, schloss den Chevy ab und ging zum Haus.


    Kurz bevor sie den Eingang erreichte, bewegte sich in der Wohnung unten rechts die Gardine. Milas Fenster, hinter der Scheibe ein kleines, ernstes Gesicht – Gerda. Laurie blieb kurz stehen und winkte. Nach einem Augenblick hob sich eine kleine Hand, vorsichtig, knapp. Laurie setzte ihren Weg fort, trat ins Haus. Die Tür zur rechten Wohnung stand offen. Sie sah kurz hinein.


    „Hallo? Jemand zu Hause? Gerda? Mila?“


    Ein Rascheln aus der Küche. Dann kam Gerda langsam in den Flur, blieb mit Abstand stehen.


    „Hallo Gerda“, lächelte Laurie. „Ich bin’s wieder. Geht’s dir gut?“


    Gerda nickte nur, höflich, ohne ein Wort. Laurie griff in ihre Jackentasche, zog ein kleines Spielzeug hervor.


    „Guck mal, ich hab dir was mitgebracht.“ Sie beugte sich etwas herunter und hielt ihr den kleinen Abschleppwagen hin. Ein kleiner Hook – grün, wie ihr großer, mit freundlichem Autogesicht. Gerda trat einen Schritt vor, dann noch einen, nahm das Spielzeug vorsichtig an.


    „Kannst es ruhig nehmen“, sagte Laurie leise. „Ich hab den doppelt.“


    Sie richtete sich wieder auf, trat ein paar Schritte in die Wohnung und sah sich kurz um. „Wo ist denn deine Mom?“


    Gerda zuckte die Schultern, sah zur Tür hinaus. „Ist sie nicht da?“, wunderte sich Laurie. „Oder ist sie…“


    Oben öffnete sich eine Wohnungstür, Stimmen. Laurie ging zurück zur Tür. Mila kam eilig die Stufen herunter, stoppte, als sie Laurie und Gerda sah.


    „Sorry, dass ich hier einfach so reingelaufen bin“, sagte Laurie. „Ich wollte nur Gerdal ein Geschenk bringen. Ich hoffe, das ist okay? Wie geht’s Ihnen?“


    Mila zögerte, antwortete knapp. „Gut.“


    Laurie nickte, trat einen Schritt weiter vor, aus der Wohnung heraus. „Sorry nochmal, normalerweise gehe ich nicht einfach in fremde Wohnungen, aber die Tür stand offen. Ich wollte nur kurz Guten Tag sagen.“


    Mila nickte verzeihend. „Es ist gut. Entschuldigen Sie bitte, ich muss mich jetzt um Kinder kümmern. Muss Essen kochen.“


    „Natürlich, ich will auch gar nicht stören…“


    Mila schloss die Tür langsam, aber bestimmt. „Und vielen Dank für Geschenk“, kam noch durch den Türspalt. Dann war die Tür zu.


    Laurie kratzte sich am Kopf. „Na klasse“, dachte sie. „Top‑Einstand. Die neue Vermieterin latscht einfach ungefragt in die Wohnung…“


    Bevor sie nach oben ging, trat sie noch einmal vor die Haustür. „Wie viele Wohnungen sind das jetzt eigentlich?“ Sie zählte die Briefkästen. Lisa hatte von vier Mietzahlungen gesprochen. Plus Gustav – fünf Parteien. Nicht sechs wie angenommen.


    Unten Mila mit den Kindern und… wer noch?


    Laurie las die Klingelschilder direkt daneben: M. Sava. Das musste Mila sein. Ein schlichter, unauffälliger Name. Daneben: Schröder. Einfach, deutsch, leicht zu merken. Darüber die Wohnungen von Bender und Gustav. Ganz oben ein einzelner Klingelknopf, beschriftet mit schwarzem Prägeband, drei Namen hintereinander. Eine WG, vermutlich. Sie würde es bald erfahren.

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  • Okay, so weit die Bewohner der Hausnummer sechs.


    Laurie sah auf die Uhr und ging die Treppe hinauf. Sie war um drei mit Seda und Nico verabredet – heute wollten sie Gustavs Schlüsselbund erforschen. Über ein Dutzend Schlüssel hingen am stabilen Metallring, für die wenigsten kannte Laurie bisher die Funktion. Haustür, Wohnungstür, der kleine war der Briefkastenschlüssel. Blieben mindestens neun. Einer für den Keller, vielleicht zwei. Moment – hatte Gustav als Vermieter nicht auch Schlüssel für die anderen Wohnungen? Aber bestimmt nicht alle griffbereit am Bund. Eher sicher verwahrt irgendwo in der Wohnung.


    Während sie vor der Tür stand und über Sinn und Zweck des Sammelsuriums nachdachte, öffnete sich die Wohnungstür gegenüber. Nachbar Bender trat heraus, einen durchsichtigen, prall gefüllten Plastikbeutel voll leerer Joghurtbecher und Konservendosen in der Hand.


    Laurie grüßte. „Hallo, Herr Bender. Wie geht es Ihnen?“


    Bender lehnte die Tür an, nahm die Pfeife aus dem Mund. „Guten Tag, Frau… Entschuldigen Sie, ich habe den Namen vergessen.“


    „Einfach Laurie – wenn Sie mögen. Beim Nachnamen denke ich immer, die Leute meinen meine Mom.“ Sie grinste kurz. „Kann ich Ihnen helfen?“


    Bender räusperte sich, hob den Beutel leicht an. „Nein danke, ich bringe nur kurz die Verpackungen in den Keller.“


    „Nehmen Sie mich mit?“ Sie klimperte kurz mit den Schlüsseln. „Dann kann ich gleich mal probieren, welche für den Keller sind.“


    Wortlos ging Bender los, eine kurze Geste lud Laurie ein, ihm zu folgen. Sie gingen an den unteren Wohnungen vorbei, eine weitere Treppe hinunter, dann um die Ecke in den Kellerflur. Bender steuerte auf die schwere Brandschutztür des Müllraums zu. Dahinter standen die Mülltonnen. Ordentlich aufgereiht, beschriftet mit Straße und Hausnummer, einige mit bunten Aufklebern dekoriert. Ein leicht süßlicher Geruch von Altpapier und feuchtem Keller schlug ihnen entgegen. Er öffnete den Deckel der gelben Tonne, warf den Beutel hinein, rückte die Tonnen wieder sauber in eine Reihe. Ganz, wie es sich für ein deutsches Mietshaus gehört.


    Erst jetzt begann Bender, mit Laurie zu sprechen. Er trat wieder auf den Flur und deutete auf eine Stahltür in der Mitte des Gangs. „Hier. Das ist sein Abteil.“



    Laurie sortierte den Schlüsselbund und probierte den ersten, der nach Keller aussah. Treffer. Sie schloss auf, knipste das Licht an und trat ein. Bender blieb in der Tür stehen.


    Der Raum bot keine großen Überraschungen: ein paar Vorräte, Tapetenrollen, Farbeimer, zwei Leitern, Werkzeug, Krimskrams. Der typische Keller eines Vermieters. Laurie zuckte mit den Schultern. „Hm. Nichts Aufregendes.“ Sie machte das Licht wieder aus und schloss ab.


    Der zweite Keller‑Schlüssel passte zum Heizungsraum. Bender erklärte ihr kurz die wichtigsten Punkte: letzte Wartung, Ablesetermine, die üblichen Regeln für die jährlichen Abrechnungen. Laurie hörte zu, merkte aber, dass sie sich nicht alles würde merken können.


    „Okay, danke. Wieder was dazugelernt.“


    Auf dem Rückweg nach oben erwähnte Bender noch ein paar Kleinigkeiten zu den Abläufen im Haus. Keine vollständige Einführung, nur Hinweise, die den Alltag erleichterten.


    Vor seiner Wohnung blieb er stehen. „Wenn Sie möchten, kommen Sie noch einen Augenblick mit herein?“


    Laurie nickte. „Gern, wenn ich darf.“


    „Sicher.“


    „Normalerweise müssen Vermieter sich ja ankündigen, wenn sie die Wohnung eines Mieters betreten wollen“, sagte Laurie — Lisa hatte ihr das gestern erklärt, und der Hinweis erinnerte sie still an ihren Fehltritt bei Mila.


    Bender grinste in sich hinein. „Ich habe Sie ja eingeladen. Kommen Sie.“ Er öffnete die Tür.


    Neugierig sah Laurie sich in der Wohnung um. Der gleiche Grundriss wie bei Gustav, nur spiegelverkehrt: Schlafzimmer links, Küche rechts. Bender ging voraus ins Wohnzimmer und bot ihr einen Platz auf der wuchtigen Ledercouch an.


    Lauries Blick glitt über einen riesigen Globus und mehrere alte Schul‑Weltkarten, die an der Wand hingen.


    „Darf ich Ihnen etwas anbieten?“ brummte Bender, die Stimme drinnen etwas tiefer als draußen. „Mila hat vorhin frischen Kaffee gekocht.“


    „Gern, danke.“


    „Milch? Zucker?“


    „Nur Milch, danke.“


    Augenblicke später kam Bender mit einem Tablett aus der Küche, stellte zwei Tassen auf den dunklen Eichentisch und setzte sich. Er zog kurz an seiner kalten Pfeife, legte sie dann beiseite und nahm die Tasse.


    „Sie werden also jetzt unsere Vermieterin sein?“, begann er.


    Laurie kippte Milch nach, nickte knapp. „Sieht wohl so aus. Der Notar meinte, die Behörden brauchen noch ein paar Wochen, bis der Erbschein durch ist. Dann stelle ich mich natürlich auch offiziell vor. Macht man ja so, oder?“


    Bender nickte langsam, mit einem kleinen, anerkennenden Grinsen, das rund um die Pfeife sichtbar wurde. „Macht man so.“


    „Darf ich nochmal fragen, woher Sie den… woher Sie Gustav kannten?“ Benders Stimme blieb ruhig, sachlich — kein Misstrauen, eher echtes Interesse.


    „Vom Markt“, antwortete Laurie knapp. „Wir… also meine Mom, Liz und ich, wir veranstalten Märkte. In der alten Textilfabrik unten am Fluss. Dust & Desire. Haben Sie vielleicht schon mal gehört?“


    Bender schüttelte den Kopf.


    „Und daher kannten wir ihn. Er war von Anfang an dabei — erst als Händler, dann als… ich weiß auch nicht, wie man das bezeichnen soll.“ Sie suchte kurz nach einem Wort, das es eigentlich nicht gab. „So eine Art väterlicher Freund, vielleicht?" Das Verhältnis zwischen ihr und Gustav war einfach entstanden, ohne dass es je jemand benannt hatte.


    Bender nickte langsam. „Ja. Das passt zu ihm.“ Kein Lächeln, kein Kommentar — nur eine ruhige Bestätigung, die zeigte, dass er Gustav lange gekannt hatte.


    „Oder?“ fragte Laurie leise.


    Bender nickte erneut, diesmal mit einem kleinen, warmen Unterton. „Doch. Das passt.“


    Bender nahm einen Schluck Kaffee, stellte die Tasse wieder ab. „Er hat oft von Ihnen gesprochen“, sagte er ruhig. „Nicht ausführlich, aber… immer wieder mit diesem… Glanz in den Augen. Man merkte, dass er Sie mochte.“


    Laurie sah kurz auf den Globus, dann wieder zu ihm, atmete einmal tief. „Ja. Ich mochte ihn auch.“


    Bender nickte, als würde er das einordnen. „Er war ein guter Mann. Eigen, aber gut.“


    Laurie zuckte leicht mit den Schultern. „Eigen trifft’s.“


    Ein kurzer Moment Stille, nicht unangenehm. Bender rückte die Pfeife ein Stück zur Seite, als würde er Platz für ein neues Thema schaffen.


    „Wenn Sie Fragen zum Haus haben“, sagte er dann, „oder zu den Abläufen… Sie können jederzeit fragen. Gustav hat vieles einfach gemacht, ohne es zu erklären.“


    Laurie nickte. „Das habe ich schon gemerkt.“


    „Er war kein Mann für Papierkram.“ Bender sagte es ohne Kritik, eher als nüchterne Beschreibung.


    Laurie nahm einen Schluck Kaffee. „Ich auch nicht unbedingt.“


    „Dann passen Sie gut zu ihm“, brummte Bender — ein trockener Kommentar, aber ohne Spott. Eher ein Versuch, die junge Vermieterin nicht zu überfordern.


    Laurie sah ihn kurz an, ein kleines, anerkennendes Nicken. „Ich gebe mir Mühe.“


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  • Sie hielt die Tasse mit beiden Händen. „Eine Frage hätte ich schon."


    „Gern."


    „Nicht zum Haus. Die Kleine – Gerda – ist sie… Mh, wie soll ich das ausdrücken? Sie wirkt sehr still."


    Bender hielt die Pfeife zwischen zwei Fingern, sagte erst mal nichts. Dann: „Das ist eigentlich Milas Geschichte, nicht meine."


    „Klar. Vergessen Sie's."


    Er sah sie kurz an, als würde er abwägen, ob sie das ernst meinte. „Ist schon in Ordnung. Ein bisschen sollten Sie wissen, wenn Sie hier jetzt verantwortlich sind." Er drehte die Tasse kurz auf dem Tisch. „Mila ist vor etwa vier Jahren gekommen. Aus Moldawien, einem kleinen Dorf. Gerda war damals noch ein Baby."


    „Allein?"


    „Allein." Kein weiteres Wort dazu, nur ein kurzes Nicken, das die Frage nach dem Vater überflüssig machte. „Das Amt hat ihr diese Wohnung vermittelt. Gustav hat unten öfter an Leute vermietet, bei denen das Amt die Miete zahlt. ‚Die zahlen zuverlässig', hat er immer gesagt."


    „Und sie arbeitet…?"


    „Putzt. Erst privat, bei Leuten aus der Nachbarschaft. Später haben Gustav und ich ihr feste Stunden gegeben." Er zuckte kurz mit den Schultern. „Kindergeld, ein bisschen Lohn, der Rest vom Amt. Mehr würde ich dazu auch gar nicht sagen wollen."


    Laurie nickte, wartete.


    „Gerda", sagte er dann, langsamer, „ist ein bisschen später dran als andere Kinder. Nicht krank. Nur langsamer." Er suchte kurz nach dem richtigen Maß an Worten. „Manche würden sagen, ein Kriegskind – nicht wegen eines echten Kriegs. Aber die ersten Jahre waren unruhig. Neue Umgebung, viel Wechsel, wenig Halt. Das setzt sich manchmal fest."


    „Und Gustav…?"


    „Gustav konnte gut mit ihr." Zum ersten Mal so etwas wie Wärme in seiner Stimme. „Ruhig, verlässlich. Und der Vogel – das war für sie eine Art Übung. Wörter, Laute, Wiederholung. Hat ihr Halt gegeben."


    Er nahm die Pfeife wieder in den Mund, ließ sie dort, ein Zeichen, dass er für seinen Teil fertig war. „Mehr wissen Sie von mir nicht. Den Rest müsste sie Ihnen selbst erzählen, wenn sie will."


    Laurie nickte langsam. „Verstehe.“


    Sie stellte ihre Tasse auf den Tisch und rückte sich leicht vor. „Danke, Herr Bender. Das war wirklich hilfreich. Ich weiß das zu schätzen.“


    Bender nickte nur, sachlich.


    Laurie deutete auf den Schlüsselbund auf dem Tisch. „Ich wollte eigentlich mit einer Freundin und meinem Bruder die restlichen Schlüssel durchprobieren. Gustav muss ja einiges an Zeug irgendwo stehen haben.“


    Bender nahm die Pfeife aus dem Mund. „Wenn Sie nach einem Lager suchen: Am Ende der Straße stehen Garagen. Einige davon gehören zum Haus.“


    Laurie sah kurz auf. „Garagen?“


    „Ja.“ Keine Betonung, nur eine nüchterne Information. „Er hatte dort Sachen gelagert. Werkzeuge, Kisten — seine ‚Ware‘.“ Ein kurzes, trockenes Grinsen. „Die Schlüssel müssten passen.“


    Laurie nickte langsam, ein kleines, ehrliches Dankeszeichen. „Gut zu wissen. Dann schauen wir da gleich mal nach.“


    Bender stand auf und ging zur Tür, ohne Förmlichkeit. „Wenn Sie noch etwas brauchen — sagen Sie Bescheid.“


    Laurie lächelte knapp. „Mach ich. Ich hab ja Ihre Adresse. Danke nochmal.“


    Sie trat hinaus in den Flur, den Schlüsselbund in der Hand, und ging nach unten. An der Wohnungstür im Erdgeschoss blieb sie noch einmal kurz stehen. Es duftete nach Essen. Laurie sah das kleine rosafarbene Rad an, an dem immer noch ein Griff fehlte. Dann ging sie hinaus zum Auto. Seda und Nico würden jeden Moment da sein.

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