Nach einem gesundheitlich schwierigen 2010 melde ich mich auch mal wieder zu Wort.
Da der von mir belagerte '78er Granada 2,8 aus dem Nachbarort immer noch von seinem 82jährigen Besitzer spazieren gefahren wird, habe ich mich vorerst darauf beschränkt, weiter an meinem Pontiac zu arbeiten - der TransAm läuft ja immer noch wie ein Uhrwerk, trotz seiner mittlerweile 360.000 Kilometer. Allerdings hat er diesen Winter tüchtig zu rosten angefangen, aber der Winter war ja schon ziemlich böse und das gute Teil ist ja nun auch schon 24 Jahre alt.
Mit diesem Beitrag möchte ich Euch mal die moderne Kunst etwas näher bringen - oder vielmehr das, was ich davon halte, nämlich nichts.
Dieser Zeitungsausschnitt, den mir ein Arbeitskollege vor etwa einer Woche zur Firma mitbrachte, war der Stein, der alles ins Rollen brachte:
Bei dieser Installation des NewYorker Künstlers Jonathan Schipper (geboren 1973), der offensichtlich eine sehr harte Kindheit gehabt haben muss, wurden ein 1988er TransAm und ein 1986er Camaro auf Hydraulikschlitten geschweisst und dann quasi wie in Zeitlupe ineinander geschoben. Leider ist Schipper ein Wiederholungstäter, tingelte mit dieser Nummer bereits durch alle möglichen Museen weltweit und zerstört dabei bevorzugt Camaros und Firebirds, meistens aus den frühen Siebzigern. Er hatte allerdings auch keine Skrupel, sogar einen 69er Charger auf diese Weise platt zu machen.
Nachdem sich meine erste Wut gelegt hatte, rief ich einfach mal in diesem Museum an und liess mir den Museumsleiter geben, um mir Sinn und Unsinn dieser Installation erklären zu lassen. Natürlich fragte er nach dem Grund meines Interesses, und ich erzählte ihm, dass ich seit etwa drei Jahren einen maroden TransAm aufzubauen versuche, der mal exakt so aussah wie jener 88er TransAm, den das Museum eben erst zeitlupengecrashed hatte.
Er: "Das muss auf sie ja wie ein Horrorszenario wirken."
Ich: "Ich habe einfach Schwierigkeiten, mich mit Kunst anzufreunden, bei der sinnlose Zerstörung als Selbstzweck insziniert wird. Nun würde ich nur mal gerne wissen, was mit den Autos nach der Ausstellung passiert."
Er: "Die werden Montag morgen von einem Verwerter mit einem Kran heraus geholt und direkt in den Schredder geworfen."
Ich: "Ein Jammer um all die noch brauchbaren Teile."
Er: "Hätten sie denn ernsthaft Interesse daran?"
Ich: "Ja klar. So selten, wie man mittlerweile an diese Fahrzeuge herankommt, zählt jedes wirklich noch so kleine Bauteil, das man retten kann."
Er: "Dann mache ich ihnen folgendes Angebot: Kommen sie doch kommenden Sonntag (also gestern) abend um 19.00 Uhr zu uns ins Museum - dann werden die Exponate abgebaut, und sie hätten zwei Stunden Zeit, um sich alles abzuschrauben, was sie haben wollen, bevor die Autos für den Transport auseinander geflext werden" (...die Hydraulik, mit der die Autos eîneinander geschoben wurden, hat nämlich keinen Rückwärtsgang...).
Ich: "Ernsthaft? Das wäre ja toll...was würde mich der Spass kosten?"
Er: "Ewige Dankbarkeit gegenüber unseres Hauses reicht völlig."
Also rückten ich (mit Pontiac) und mein Kumpel (mit Jeep) gestern Abend mit haufenweise Werkzeug an und fielen gemeinsam über die sterblichen Firebird-Reste her; während wir systematisch den Wagen filetierten, schoss der Museumsleiter Bilder von meinem Auto, unserer Schlacht-Aktion und dem, was wir schliesslich davon übrig liessen; aus zwei Stunden wurden schliesslich drei.
Die Beschädigungen an dem Auto waren ebenso beeindruckend wie die Tatsache, das sämtliche Elektronikbauteile noch funktionierten; der Wagen war für die Installation an Strom angeschlossen worden, somit konnten wir seelenruhig alles ausprobieren, bevor wir es herausbauten.
Der Museumsleiter bedankte sich sogar bei uns:
"Wenn ihnen das Recht ist, würde ich gerne eine Fotostrecke an unserem Eingang installieren; der "Tod" dieses Exponats und wie es zum Fortbestand eines anderen baugleichen Autos beiträgt...ich bedanke mich, wenn sie dieser Idee ihre Zustimmung geben würden - denn mal so unter uns: Um dieses Auto war es doch wirklich jammerschade !"
Natürlich stimmte ich zu, bedankte und verabschiedete mich, nicht ohne ihm noch zwei Flaschen Rotwein in die Hand zu drücken.
Heute morgen begutachtete ich dann erst mal in Ruhe meine Ausbeute:
Gegen Mittag schaute ich dann beim Reifenmacker meines Vertrauens vorbei - um die seltenen Magnesiumfelgen vom TransAm GTA abchecken zu lassen. Diagnose: Kerngesund, abgesehen von einigen wenigen Bordsteinkratzern.
Somit konnten folgende Teile gerettet werden:
Spoilerverkleidung Spritzecken, Heckspoiler, Rückleuchten-Einheit, Stellmotor Heckklappe, 4 GTA-Felgen (für die vordere Felge auf der Beifahrerseite brauchten wir 35 Minuten !), Motoren beider Fensterheber, Aussenspiegel, Mittelkonsole, Targa-Glasdächer (+ deren neuwertiger Dichtungen), Notrad, Kofferraum-Abdeckung, die Heckjealousie des Camaro, sämtliche Schalter aus dem Innenraum, Einspritz-Rechner und sogar einen originalen Satz TransAm-Fussmatten. Und alles für Umme.
2011 darf gerne so weitergehen...









