Granada Mk3, Differential undicht (zum Hals hin)

  • Moin,


    das Differential scheint aus der Dichtung zwischen Differentialhals und Differential zu lecken.


    Bei Motomobil nennt es sich "Hinterachs-Differentialantriebswellenhülse Dichtring", Nr. 25:


    DC hat im Thread "Clark-Hülse tauschen in der Garage?" folgendes geschrieben:


    Zitat

    Den vorderen Simmerring vom Diff tauschen zu wollen, ist keine gute Idee, weil man hier, laut WHB eine neue Spannhülse nehmen sollte und weil anschließend die Kegelradmutter wieder mit exakt dem gleichen Drehmoment angezogen werden muss, damit die Lage von Kegel- zu Tellerrad nicht verändert wird. Das hinzukriegen ist schon mit dem vorgeschriebenen Werkzeug hohe Kunst.

    Passt das nicht, hat man mehr verloren als mit der neuen Dichtung gewonnen.


    DC: Ist die Dichtung #25 der Simmering von dem du sprichst? Oder meinst du #20?


    Danke!


    Gruß

    Fabian

  • Der Dichtring bzw Simmering ist die #25. Alles davor ist trocken und die #20 ist das Lager der Verlängerungswelle.



    Das Bild von Motomobil zeigt nicht alles. Das von Ford aber auch nicht.


    A) ist einfach nur ein fetter Stahlring, auf dem der Simmerring läuft und der mit der Mutter gegen das Lager gedrückt wird.

    Wenn Du die Differentialverlängerung vom Differential trennen würdest, hättest Du freie Sicht auf keins der Teile auf obrigem Bild. Bzw Du könntest das Ende der Kegelradwelle in der Mutter, die wiederum hier nicht abgebildet ist, die aber links von A) sitzt, erahnen.

    Der Laufring A) sitzt in, dem, ebenfalls nicht gezeigten, Simmerring.

    Die Spannhülse B) sorgt für den korrekten Sitz des Kegelrads zum Tellerrad und wird mit der Mutter eingestellt.

    Das muss genau passen, sonst hast Du Verschleiß zwischen Kegel- und Tellerrad. Erkennbar daran, daß das Diff Dir das Lied vom Tod spielt.


    Technisch ist das Differential dem Differential in der Starrachse vom Taunus identisch. Aber bedingt durch die K-Achse passt die Kardanwelle nicht mehr direkt an das Diff. Deshalb hat man diese hervorragende Lösung ersonnen.

  • Hey DC,


    danke für den Hinwies aufs WHB - ich arbeite meistens mit dem Buch von Haynes und da hab ich nichts gefunden (oder ich habs übersehen, will ich nicht ausschließen...).


    Ich habe mir jetzt MKII Teil 15 angeschaut und ich glaube ich habe es verstanden... Ich muss aber dazu sagen, ich hatte das Diff noch nie ausgebaut und daher habe ich vielleicht falsche Vorstellungen wie das innen drin aussieht (die Zahlen sind bezogen aus WHB unten, Teil 15, im PDF Seite 24):

    - Die Hülse #13 verbindet die beiden Wellen #1 und #25

    - Die Hülse #13 kann getauscht werden, wenn Diffverlägerung und Diff getrennt werden (das schließe ich aus den 2 oder 3 Fäden zum Tausch der Clark-Hülse. D.h. die Hülse #13 befindet sich in der Trennebene zwischen Diff und Diffverlägerung

    - die Mutter (#14) sichert alles (#15, #16, ...) sozusagen "nach hinten" auf die Kegelradwelle (#25) ab und gleichzeitg stellt sie (da selbstsichernd) zusammen mit der Spannhülse (#19) den "Vorschub" bzw. die Distanz zwischen Kegelrad und Tellerrad rein. Falsche Spannhülsengröße heisst falsche Distanz zwischen Kegelrad und Tellerrad.


    Die verbleibende Frage ist:

    Wenn ich die Mutter lösen würde, ändert sich ja erstmal nix an der Distanz zwischen Kegelrad und Tellerrad (da die Spannhülse sich nicht ändert). Ja, alles wird für einen Moment locker, aber das kann ich doch wieder festziehen?

    Warum kann ich die Dichtringe #15 und #16 also nicht tauschen?

    Wegen des Drehmoment welches unbedingt passen muss?


    Gruß

    Fabian


  • Du kannst das Ding tauschen, wenn du es mit Sinn und Verstand machst.


    Welle und Mutter genauestens!!!! zueinander markieren.

    Mutter lösen, neue Dichtung drauf und exakt so wieder anziehen wie es war. Eventuell noch ein Grad „Verschleißzulage“ weiterdrehen. Dann sollte es passen.


    Hab es bei nem Granadadiff noch nicht gemacht, von dem her kann ich nicht sagen, wie man die Mutter lösen und anziehen kann - es fehlt ja vorne ein Flansch zum Gegenhalten, da haben die Starrachsen einen ordentlichen Vorteil… Hält man da dann an den Antriebswellenflanschen gegen?


    Bei der Banjo-Achse von mir war an der Mutter ordentlich Bums drauf, gefühlt 3-400Nm, musst also ordentliches Werkzeug einpacken.

  • Die Spannhülse wird beim Einbau zwar etwas gestaucht, aber man muss sie trotzdem wie eine Feder verstehen.

    Löst Du die Mutter, schiebt die Spannhülse alles auseinander. Damit ist die Einstellung dann zunichte gemacht.


    Deshalb möchte Ford die Reibung im Differential, als ersten Schritt, mit der Drehmomentlehre, feststellen.

    Später, beim Zusammenbau, stellt man die diese Reibung wieder her und entsprechend stimmt dann auch das Verhältnis von Tellerrand zu Kegelrad.

    In der Theorie...

    Die hast die Drehmomentlehre nicht und nimmst vielleicht einen kleinen Drehmomentschlüssel mit Schleppzeiger. Kann funktionieren, muss es aber nicht.

    Einer meiner Nachredner wird vorschlagen, eine Markierung auf der Kegelradwelle und auf der Mutter anzubringen, um später die gleiche Position wieder zu erreichen. Dazu darf man dann nicht, wie im WHB gefordert, eine neue Spannhülse einbauen, sondern muss die alte vorhandene verwenden.

    Auch das kann funktionieren. Was aber, nach meiner Erfahrung, nicht funktioniert, ist das Anbringen der Markierung. Sowohl Welle, als auch Mutter sind aus einem extrem harten Material. Vermutlich könnte man das Vom Kölner Dom werfen und es hätte nicht einmal einen Kratzer. Markieren mit der Reißnadel scheidet aus. Bleistift kann ich mir vorstellen, aber der ist schnell verwischt. Auch das mit der Markierung kann funktionieren, muss es aber nicht.


    Abhängig von der Menge des Ölverlust, würde ich mir eine Pappe und einen Stein kaufen. Und einfach nachkippen.

  • Ok, also selbst geschnittene Pappdichtung zwischen Diff und Verlängerung?

    Hab mir jetzt Dichtungsmaterial bestellt. Und würde mit 0,25mm starten.

    Muss nur für den TÜV halten.


    Danke für die Erklärung, ich lerne bei dieser Thematik gerne dazu.


    Gruß

    Fabian

  • Danke für die Erklärung, ich lerne bei dieser Thematik gerne dazu.

    Wenn die Dichtung geschnitten, und der Hals entfernt ist, wirst Du entdecken, daß die Differentialverlängerung unten ein ordentliches Loch hat, durch welches Flüssigkeit aus der Verlängerung ablaufen kann.


    Btw, die Clark-Hülse war beim Granada Mk I mit den Wellen verklebt. Das hat mehrere Jahre gehalten, sich dann aber gelöst. Der Klebstoff war etwas wie Lictite (fügen, Welle/Nabe)

    Später hat man gemerkt, daß das nicht für die Ewigkeit ist und einfach Fett zwischen die Bauteile geschmiert.

    Noch später gab es zusätzlich eine Dichtung, die das Fett in der Hülse halten soll.

  • Die späten Hülsen waren offenbar mit einer Art vorspannung gebaut:


    Beim Versuch, diese durchzusägen um das Rezept mit der geteilten spannhülse und der spannmutter anzuwenden, festgestellt.

    Die Hülse klemmte das Sägeblatt brutal ein.

    Nach dem geglückten zersägen ergaben die beiden Hälften der Hülse keinen „Ring“ mehr sondern quasi verformt und konnten nicht mehr auf die Welle aufgelegt geschweige denn weiter für das Projekt verwendet werden. Als ob das Material geschrumpft sei…

    Welche Technik dahintersteckt: k. A. 🤷🏼‍♂️


    Bei einer älteren spannhülse dagegen kein Problem mit dem halbieren.


    Empfehle daher kleben wie ursprünglich. Die meisten Karren werden die km- Leistungen und entsprechende Belastung kaum mehr erfahren.

    Einmal editiert, zuletzt von fochtfahrer ()

  • Ich glaube es war ein Pappkarton zum Unterlegen gemeint... :uglyzwinker:

    Und der Stein damit der Karton nicht weggeweht wird...

  • Ich habe das Konzept mit der geschlitzten Hülse und dem Spannfutter mal probiert. Gescheitert ist es lediglich, weil das Diff dem Knabenchor beigetreten war.


    Schlitz in die Hülse gefräst. Gegenüber eine Nut. Doppelt breit, aber nur halbe Materialstärke, als Gewichtsausgleich. Auch gefräst. Ohne die Spannhülse hat die geschlitzte Clark-Hülse überhaupt keinen Halt, sondern schlabbert so auf den Wellenenden.


    Neuerliches Einkleben hat auf den angefressenen Wellenenden überhaupt keinen Zopf. 2ct

  • Bevor man den Simmerring am Diff wechselt würde ich es mit Dibutylmaleinat versuchen. Das Zeug macht fast alles wieder dicht.


    Dibutylmaleinat, 1 l
    Dibutylmaleinat, 1 l Bei Dibutylmaleinat handelt es sich um den reinen Wirkstoff des Weichmachers für alle Ölsorten, d.h. Motoröl, Getriebeöl, Automatiköl,…
    www.monopoel.de


    Wenns nicht dicht wird und der Simmerring raus muss, Stellung der Mutter zur Welle markieren wie schon geschrieben, ich nehme dafür einen Dremel mit kleiner Trennscheibe, und hinterher wieder auf die Position zurückdrehen. Wenn man dabei auch die Umdrehungen mitzählt ist es egal ob man die alte oder eine neue Stauchhülse nimmt. Damit wird übrigens nicht der Abstand der Kegelradwelle zum Tellerrad eingestellt, dafür liegen Scheiben hinter dem Lager, sondern das Lagerspiel der beiden gegeneinandergestellten Kegelrollenlager.


    Die Klackerhülse schlitzen und mit Kugellagerinnenring und Spannhülse zusammenpressen habe ich in den Neunzigern mal in der Clubzeitung publiziert.

    Das funktioniert wunderbar solange die beiden Wellenenden noch nicht zu stark abgenutzt sind.

    In meinem sitzt seit 15 Jahren eine damals neue Clarkwelle die ich bei Ebay geschossen hatte und bis heute klackert mit der Hülsenschlitz,- und Verspannmethode nix.


    Allerdings kontrolliere ich das alle paar Jahre mal und kann dann die Nutmutter tatsächlich immer wieder ein paar Nuten weiter anziehen. Es scheint also gewisse Setzverluste in der Verspannung zu geben.

    Das Loch unten in der Verlängerung habe ich damals aufgebohrt um besser arbeiten zu können.

  • Hey Bibo,


    hilft das Zeug auch bei undichtigkeit beim Diff wenn man nicht genau weiß wo das siffen her kommt? Meins ist immer mal wieder etwas undicht (tropft aber nicht) meistens kann ich die Spacker am Bodenblech sehen wenn sie bei Fahrt dran spritzen. Kommt aber wohl eher von den Gummibuchsen die rechts und links an der HA neben dem Diff sind.

  • Das Zeug lässt harte Gummiteile wieder erweichen und aufquellen.


    Wenn du mit "Gummibuchsen die rechts und links an der HA neben dem Diff sind." die Faltenbälge der Antriebwellen meinst, wird es nicht helfen.


    Meist sind aber der Simmerring nach vorn zur Kardanwelle oder die beiden Simmerringe seitlich am Diff undicht...und dann hilft es sehr wohl.

    Es hilft nicht wenn es aus dem Deckel hinten tropft.

  • Antriebswellengelenke müssen Manschetten haben, weil sich das Fett sonst im Orbit verteilt und die Gelenke sehr schnell frecken.

    Spätestens zur Bianuale würde man Dich aber erinnern.