Nachdem ich den Kulturschock nach meiner Rückkehr von Amiland einigermassen überwunden habe, wollte ich Euch eine weitere Taunus-Foto-Lovestory servieren. Nach 3 Monaten USA kommt mir Europa noch viel komischer vor als ohnehin schon, Radio und TV gehen hier ziemlich garnicht - im Prinzip kann ich beides eigentlich verkaufen. Auf allen Kanälen laufen jetzt nur noch diese nervigen Reality-Soaps - Gott, war das vor meiner Abreise auch schon so? Das war mir garnicht aufgefallen...
Also halte ich mich erst mal mit viel Bier und meiner Miami Vice-DVD-Box über Wasser, bis es Ende Februar für einen letzten Abstecher in den Pott zurückgeht - im Ende März fliege ich dann ja schon wieder nach New York.
Ich muss hier regelmässig das Lachen verkneifen, wenn ich die in den Nachrichten über das mit - 15 Grad "tiefgefrostete" Europa reden höre...ich bin ja noch nie ein grosser Winterfan gewesen, aber wenn Winter schon sein muss, dann bitte richtig... 8) 
Sieht geil dramatisch aus, oder? Aber das Geheimnis ist: die Luft ist hier ziemlich trocken, daher fühlt sich die Kälte garnicht so schlimm an wie man es von Europa gewohnt ist - dafür frieren Dir in der Schweiz aber auch nicht gleich sämtliche Wasserleitungen zu.



Schnee schieben bekommt hier eine ganz neue Bedeutung - und plötzlich macht es auch irgendwie Spass. Ich verliere ganz nebenbei 10 Kilo Gewicht, was auch ganz vorteilhaft ist, da der nächste Fitness-Club 1 1/2 Stunden entfernt ist.


Ach, wie gross ist meine Freude, als ich einen überlebenden 79er Cutlass am Strassenrand entdecke - die Freude währt aber nur kurz. Denn dass hier ist ein 5 Liter V8 Diesel, eine der überflüssigsten und unzuverlässigsten Ami-Motor-Konstruktionen, die wo gibt. Das reisst der schicke Karren dann auch nicht mehr raus.
Derweil hat mich die Gemeinde bereits voll in ihrer Mitte aufgenommen, ich fühle mich schon richtig wie zuhause. Neujahr gibts ne kleine Spritztour bei phantastischem Wetter:


In Detroit steht die AutoShow an - also gehts über Buffalo bis nach Kanada, wo wir an den Niagarafällen übernachten. Am nächsten Morgen soll es dann von hier aus nach Detroit weitergehen. Nachts werden die Fälle in buntes Scheinwerferlicht getaucht - und ich habe von meinem Hotelzimmer im 26ten Stock einen tollen Ausblick auf die Szenerie. Absolut irre geil.




War es am Vortag noch lau und leicht regnerisch gewesen, überfällt uns am nächsten Morgen ein Blizzard - kanadisches Wetter ist ziemlich unberechenbar. Noch nie zuvor habe ich es in so kurzer Zeit zuschneien gesehen - die Räumdienste sind total überfordert, uns wird noch im Hotel geraten, die Weiterfahrt um einen Tag zu verschieben. Aber wir haben ja Allrad - und versuchen es trotzdem...



Unser 2005er F-150 schlägt sich wacker, wenn er ja auch sonst schon nicht viel taugt (der rostet und klappert wie Hulle) - der Freeway gleicht einer Eisbahn und das Durchschnittstempo ist kaum höher als Schrittgeschwindigkeit. Zudem kommt, dass die Kanadier einen lausigen Strassenservice haben - es wird weder geräumt noch gestreut (ausser dort, wo kaum Verkehr herrscht), die meisten Tankstellen sind unverständlicherweise geschlossen, frisches Wischwaschwasser gibt es nicht. Nicht mal pinkeln kann man hier vernünftig, denn draussen friert Dir der Schwanz ein, und öffentliche Toiletten sind ausser Betrieb. 


Diesen Lincoln hats nicht umgehauen - er ist einfach nur gestrandet
Die Kanadier mögen scheinbar ihren Schnee - jedenfalls haben sie es nicht allzu eilig, ihre Strassen befahrbar zu halten. Aber im Schulmeistern sind die unschlagbar - die Schilder an sich sind ja gut gemeint, aber müssen die sich wirklich alle 10 Meilen wiederholen? Da soll nochmal einer über die Ami-Cops meckern...




Der ganze Trip wird von Minute zu Minute abenteuerlicher - es ist beeindruckend, wie viele andere Verkehrsteilnehmer es von der Strasse haut...das ist vermutlich das erste Mal in meinem Leben, dass ich die Vorzüge eines Allradfahrzeugs wirklich zu schätzen lerne...


































