Es heisst, wenn es in einem Teil deines Lebens gut läuft, geht in einem anderen Teil deines Lebens etwas vor die Hunde.
Das klingt ziemlich bescheuert, scheint aber leider zu stimmen.
Diese Woche ist der Knoten endlich geplatzt - ich habe nach einem halben Jahr finanzieller Durststrecke und langer (ernüchternder) Jobsuche endlich eine gutbezahlte Tätigkeit gefunden. Die drei Probetage waren echt super, die Kollegen (4 Schweizer, 1 Elsässer, 1 Jugo und 2 Ossis) sehr nett und offen. Ich muss jetzt nur noch einmal zum Amtsarzt, meinen Lappen umschreiben lassen, meine Arbeitserlaubnis abwarten und mich auf Basel beim Amt anmelden, und dann ist meine Auswanderung offiziell abgeschlossen.
Und mein Taunus - tja, mein langweiliger Taunus...der springt morgens brav an, läuft anständig, ist genügsam mitm Sprit, zuverlässig und einfach ein guter Weggefährte - also eigentlich wie immer. Nach meinem ersten Tag auf dem LKW, am Dienstag abend, stieg ich ins Auto, drehte den Schlüssel und nahm plötzlich das Auto ganz anders wahr als sonst - kein Wunder nach 9 Stunden Actros - unerwartet angenehm. Der Innenraum wirkte beruhigend wohnlich und auch immer noch erstaunlich ansehnlich, brav schnurrte der V6 nach Hause.


Der Ghia bekommt nicht nur grossen Zuspruch von den Passanten, er hat er sich auch prima verkauft - zweimal sogar. Andere Menschen haben ja das Problem, dass sie sich auf ihr nächstes Auto freuen, ihren alten Bock aber nicht lostreten können, bei mir ist es glatt umgekehrt. Denn der Taunus erfreut sich grosser Beliebtheit, das Telefon stand hier tagelang abends nicht still. Der erste echte Kaufinteressent sagte fest zu, konnte aber nur noch nichts überweisen, weil er grad erst in Urlaub gefahren war und den Wagen eher zufällig beim abendlichen Surfen auf dem Laptop gefunden hatte - er will sich am Montag noch einmal melden und hofft, dass der Wagen dann noch zu haben ist. Der zweite ernsthafte Interessent kommt sogar hier aus der Schweiz (aus Luzern), war vom Auto unglaublich begeistert und wollte sogar mehr zahlen, wenn ich das Auto nicht noch vorher wegverkaufe - weil es in der Schweiz einfach keine Altford mehr gibt und originale schon zweimal nicht. Morgen will er sich wieder melden. Tja - ich hab nur leider immer noch kein Ersatzauto - die Suche nach "meinem" Ami gestaltet sich allmählich zur Farce. Und das kam so...
Hier das Auto, um das es ursprünglich ging...ein Pontiac TransAm von 1990. Angeblich mit MFK (eine Art schweizer TüV):


Doch plötzlich, zur Probefahrt, hat der Wagen doch keine MFK mehr - das sagt mir jedenfalls der Verkäufer - ich solle doch selber zur Prüfstelle fahren, denn investieren wolle der Verkäufer nichts mehr in das Ding. Okay - meine Last soll es nicht sein. Problem: Ich bin willig, aber das Auto nicht. Batterie tot. Ich hole ein Akkupack - der TransAm orgelt und springt an. 20 Sekunden lang - nach sägendem Leerlauf (was für einen intakten V8 total untypisch ist) stirbt die Maschine plötzlich ab. Ich also zurück in die Werkstatt - Sprit holen, einfüllen. Die Karre orgelt, passieren tut aber nichts. Nach mehrfachem Orgeln ist der Akkupack leer, der Anlasser tickert nur noch. Ich wieder zurück zur Werkstatt - frisches Akkupack holen. Ohne grossen Erfolg - die Karre örgelt, der V8 bleibt aber stumm. In der Vermutung, der Motor könnte abgesoffen sein, nehme ich alles auseinander und lege alles trocken. Die vom Verkäufer hochgelobte Einspritzanlage ist in Wahrheit ein Vergasersystem - der Typ hat keine Ahnung, wovon er da labert. Langsam steigt die Gift in mir auf, denn es passiert nach wie vor nichts und der Macker kaut mir mein Ohr ab, was er doch alles an Arbeit in die Karre investiert habe.
Also nehme ich das Auto, das ich vom ersten Besichtigungstermin irgendwie viel besser in Erinnerung hatte, genauer unter die Lupe.
Der Schliessmotor des Kofferraums geht zwar, aber sämtliche Haubendämpfer sind matsche. Der Lack blättert, die Sitzflächen der grauen Stoffpolster aufs Dilletantischte mit schwarzem Kunstleder neu bezogen. Die Handschuhfachtasche (ein richtiges Fach hat der Wagen ja eh nicht) ist abgerissen, fehlt. Das Radio geht nicht, der Automatenwählhebel wackelt wie ein Lämmerschwanz und klötert dabei wie ein Beutel Murmeln - da stimmt offenbar was nicht. Der Innenspiegel baumelt herum, dafür geht die Verstellung der Aussenspiegel überhaupt nicht.

Aber: Die Karre hat vier brandneue Pneus drauf. Das macht mich jetzt misstrauisch. Der Pontiac ist eh für mich gestorben, also konfrontiere ich diesen Spinner mit dem, was ich am Auto alles gefunden habe. Zum Schluss lassen seine Kommentare vermuten, das er die Karre zu Tode geheizt hat - gut, die Hinterachse mache etwas Geräusche, die Schaltung sei ungenau (Automatik?!) und der Auspuff qualme mitunter schon mal weiss - kurzum: der Bock ist erledigt. An ein Bestehen der MFK (die Prüfer schicken sogar ungewaschene Autos vom Hof!) ist überhaupt nicht zu denken. Angefressen scheisse ich den angeblichen V8-Schrauber aus Passion zusammen, lasse ich keinerlei Zweifel daran, dass ich von Materie und Auto gute Ahnung habe und lasse ihn mit seinem Müllhaufen im Regen zurück.
Mit ziemlich aufgewühltem vegetativen Nervensystem mache ich mich auf die Suche nach einem würdigen Nachfolger meines Opa-Autos - und muss erkennen, das gute Amis in der Schweiz masslos überteuert und zudem schwer zu finden sind - Kernschrottfahrzeuge sind leider die Regel, nicht die Ausnahme. Von Händler zu Händler wird die Ausbeute schlimmer - hier ein kleiner Auszug:

TransAm von 1992. Keine MFK, 3000 Euro. Reifen und Bremsen hinten müssten neu - das wäre eigentlich akzeptabel. Nicht aber die zertrümmerte Frontscheibe - doch das hat der Verkäufer noch garnicht mitbekommen. Preisminderung? Nein. Die Scheibe soll ich dann auch selbst reparieren. Ja nee, is klar.

Chevy Corvette. Zugegeben, nicht meine finanzielle Kampfklasse. Aber das Preis-Leistungs-Verhältnis ist schlicht sensationell - für 46.000 Schweizer Franken werden eine gerissene Karosse, ein zerfledderter Innenraum und ein morsches Dach geboten. Und die wenigen Blechteile am Auto, die verbaut sind, sind mit kleinen Rostpickeln übersäht.

Ein kleiner Lichtblick. Der ist so scheisse, den muss man schon wieder gut finden.

Buick Convertible. Geil. Sehr geil. Was? Nur 5500 CHF? Und MFK hat er auch? Obergeil! Wenn man in Autos herumfahren mag, die keine Sitze und keinen Innenraum mehr haben, ist das echt klasse.



Nie wieder Altford - garnicht so einfach. Ford Zephyr. Lecker. Anständiger Zustand, springt aufn Schlag an. Der Preis scheint mir angemessen, ist für mich aber zu hoch. Und der Wagen zu alt. Und zu klein. Und zu grün.

Hier stimmt der Preis. 2,9ner Cossie. Mit frischer MFK. Reifen, Bremsen gut. IA gut und sauber, nur das Radio fehlt. Motor schnurrt wie Sahne. 1800 CHF - das ist n Witz. Sollte man eigentlich auf der Stelle mitnehmen. Eigentlich.
Alles andere, was mir heute so unterkam, waren Chrysler Vision und Intrepid, Pontiac GrandPrix, Olds Customs Cruiser, alle mit V6 und aus den 90ern. Dafür mag ich den Taunus dann aber wirklich nicht hergeben. Einen Buick ParkAvenue von 1992 hätte es da noch in meiner Nähe, den schaue ich mir aus lauter Verzweifelung morgen trotzdem noch einmal an. Derweil lässt mein Porsche-Nachbar bereits seine Kontakte spielen und konsultiert einen guten Freund, ebenfalls unheilbar mit dem Ami-Virus infiziert - wenn jemand einen günstigen Ami stehen wisse, dann er. Die Suche haben wir auf Mustang, Firebird und Camaro eingegrenzt; morgen mittag werde ich wissen, ob ich mich auf einen sonnigen Frühling im V8 freuen darf oder ich schon mal anfangen sollte, die Rialfelgen lackierfertig zu machen, damit ich bald die 205er auf mein Oppa-Auto aufziehen kann. Gott, das Leben kann so grausam sein!