
Der Grannibär meldet sich wieder zurück von seinem vierwöchigen Kurzausflug in die USA...und wie versprochen, folgt nun ein gewohnt knapper und sachlicher Reisebericht.
Thema: Anreise
War nicht so schlimm wie erwartet - am Besten fliegt man mit kleinem Handgepäck (bis auf 2 Hemden, 3 Tshirts, 2 Shorts und 2 paar Flipflops habe ich von dem ganzen anderen Scheiss sowieso nichts gebraucht) und kleidet sich so salopp wie erträglich (man muss beim Zoll eh ständig Gürtel, Schuhe und metallenes Gedöns ablegen, und sich ständig neu ankleiden nervt wie Sau). Man macht schliesslich ein unbekümmert-höfliches Gesicht und erwartet die Fragen des Zollbeamten: "Wo kommen Sie her?", "Wo wollen Sie hin?", "Wollen Sie hier arbeiten?", "Wo werden Sie sich aufhalten?" "Adresse?" Einfach ruhig bleiben und lächelnd antworten:"Ich komme zum Woodward Dream Cruise hierher!" Der Beamte wird Dich herzlich in seine Arme schliessen, Dir von seinem 57er Chevy erzählen und Dir alle Stempel geben, die Du haben willst...DAS ist Völkerverständigung!
Thema: Fortbewegung
Mir wurde von meinen Freunden 4 Wochen Chrysler Sebring Cabriolet angedroht - doch aufgrund fremdartiger Geräusche aus dessen Motorinneren wurde mir zur Entschädigung für die erste Woche ein neuer Mustang "geschenkt" (Hertz sei Dank)...DAS ist standesgemäss, und wenn es auch ein Generation Plastik war: Ich vermisse den Mustang heute noch.

Die verbleibende Zeit war ein neuer Chevy Malibu mein Begleiter - damit kann man leben.
Thema: Strassenverkehr
Die Amis fahren nicht besser als wir. Die Amis fahren auch schon lange nicht mehr langsamer als wir (durchschnittlich erlaubte Geschwindigkeit 75 Meilen). Aber: Sie fahren dort, wo Platz ist, sie fahren lockerer und viiiieeeel relaxter. Kurzum: Autofahren ist dort TOTAL GEIL. Die Strassen selbst sind hingegen eine Katastrophe - womit aber die amerikanischen Schwabbelfahrwerke schlagartig in einem positiven Licht erscheinen...was das Fahrwerk nicht hinfortschauckelt, schlucken die cremeschnittchenartigen Sitze. Das klappt aber leider nicht bei einem europäischen straffen Mustang mit Recarositzen. Und auch nicht auf einer mittelamerikanischen Präriepiste.

Linksabbiegen als solches ist speziell in Michigan nicht erlaubt (dafür gibt es den "Michigan-U-turn"), einen Abgastest hat man vor einigen Jahren wieder abgeschafft (weil sich eh keine Sau drum gescherrt hat), einen TüV oder ähnliches gibt es schon mal garnicht. Das wiederum hat zur Folge, das hier die meisten Autos mit unglaublichen Rostschäden, durchlöcherten Stossdämpfern und auf-der-Strasse-herumschleifenden Auspuffanlagen unterwegs sind - was niemanden kümmert, da man vom Arbeitgeber nach spätestens zwei Jahren eh ein neues Auto bekommt (ein 2,4 Liter Chevy Malibu kostet mit Vollausstattung etwa 16.000 Dollar). Alle anderen Autos sehen zumeist aus wie aus dem Schauraum.
Thema: Autos
Hier gibt es alles, und für jeden etwas. Ich möchte hier bleiben. Für immer.




Letzterer hat übrigens Strassenzulassung, wie auch der Turbo Interceptor (der eigentlich nichts anderes als ein Plastikhülle-auf-Gitterrohrrahmen-Concept-Jointventure zwischen Chrysler und PPG ist) . Ein gut erhaltener Kreuzer aus den 60ern ist hier locker für 5000 Bucks zu schiessen, Mustangs und Camaros (beide absoluter KULT!) gibts in Hülle und Fülle. TransAms und Firebirds sind nach Einstellung der Modellreihe schlagartig zum Sammlerobjekt mutiert und aus dem Strassenbild gänzlich verschwunden, sogar die 80er KnightRider-Schüsseln...dafür fahren hier die Mopars wie in Deutschland der Golf. Nur nicht, wenn gestreut wurde - das Salz in Michigan ist berüchtigt und gefürchtet, soll angeblich sogar Schuhe anfressen. Der Chrysler 300 wird hier fast nur von Schwarzen gefahren, meist als Blingbling-Kutsche, Pickups zu 80 Prozent von Frauen und der Hummer H3 (die H2 und H1 gibt es nicht mehr) von Hausmuttis und HighSchool-Gören (weil man die für 200 Dollar monatlich billig leasen kann).
Thema: Geschichte
Grannibär muss natürlich alles abklappern, was hier irgendwie als historisch angepriesen wird. Die Ford-Roush-Factory-Tour war echt prima, allerdings wurden grade die Bänder für den 2009er F150-Truck umgebaut und daher wurde nicht produziert - aber bei Ford geht man mit Henry Fords Vergangenheit - sagen wir mal - fair um. Im Bus erzählt Dir ein Tourguide zwar noch, das Henry Ford neben der Luft zum Atmen auch die Gezeiten, das Rad und den Weltfrieden erfunden hat, doch im Imax-Kino sieht das dann schon ganz anders aus...das Old Henry nämlich ein kleiner Fascho und ein Rassist war und die Begründer der Arbeitergewerkschaften durch angeheuerte Schlägertruppen hat vermöblen lassen, erzählen sie Dir auch.
Viel wichtiger war für mich der Besuch der "Automotive Hall of Fame".

Dort wird neben Hinz und Kunz jeder automobile Name geehrt, der es verdient hat, unter anderem auch der alte Knudsen, der hier als Revoluzzer der Produktfertigung gefeiert wird...das ist dort alles höchst offiziell.

Nur ein Name fehlte mir dort - John DeLorean. Auf meine Nachfrage hin bekam der Tourguide, Ray, gaaaaaaaaanz grosse Augen. Was für ein Fan er doch sei, wie sehr er DeLorean doch verehre (wie ich eben auch), und das man schon mehrfach versucht habe, ihn in die AHF zu bekommen - doch DeLoreans krimineller Ruf eile ihm immer noch voraus und vereitele dies. Sogar auf DeLoreans Beerdigung sei er gewesen - der gute John hat in der Tat keine 10 Meilen vom Haus meiner Gastgeber entfernt seine letzte Ruhestätte gefunden. Ich versprach ihm, bei der nächsten Eingabe zur Aufnahme DeLoreans in die AHF zu helfen, mit Hilfe der deutschen DeLorean-Kollegen, Ray hingegen wolle sich später noch mal bei mir melden.

Ich glaube, auf der Beerdigung meines holländischen Oppas habe ich nicht so geheult wie an DeLoreans Grabstelle...das war schon ne heftige Erfahrung.
Wie versprochen rief Ray abends an und gab mir die Adresse eines DeLorean-Schraubers in Dearborn durch - dieser kenne übrigens meinen Namen und Ray sei stolz, meine Bekanntschaft gemacht zu haben. Völlig verwundert und noch ziemlich ahnungslos fuhr ich zu "Lawrence DeLorean garage" und wurde positiv überrascht - der kannte mich nämlich, wie übrigens die meisten seiner DeLorean-Kollegen, und zwar durch meinen Wikipedia-Artikel über DeLorean und seine Geschichte...da bist Du bekannt wie ein bunter Hund und weisst es nicht einmal. Ist das geil oder was?











