20 Jahre schweißen zusammen

  • es begann ziemlich genau vor 20 jahren: ich stand kurz vor dem ende meines studiums, bisher war ich bus und bahn gefahren oder durfte mir auch mal den 124er meines vaters ausborgen, aber mit 26 wollte ich mir endlich auch das erste eigene auto zulegen.

    ziemlich schnell war klar: es soll ein mercedes sein, und natürlich ein diesel, ich bin ja sparsam. und ein h-kennzeichen sollte er haben, für die teuren dieselsteuern war ich zu geizig. also kamen heckflosse oder /8 in frage, die wahl viel dann auf ein strich 8 - diesel - coupe, völlig ohne ahnung irgendwo in norddeutschland im winter gekauft. aber geglänzt hat er schön:


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    so begann unsere beziehung, im winter 2006, als alltagsauto. den begriff kannte ich damals noch nicht, für mich war das mein auto was ich immer fuhr, egal wohin und egal welche jahreszeit. eine garage hatte ich an meiner studentenbude natürlich auch nicht und so parkte er in der dortmunder nordstadt an der laterne. ich hatte sehr nette nachbarn, der stern wurde nie gestohlen!

    und so fuhr ich ohne ahnung von alten autos oder überhaupt vom schrauben fröhlich durch die gegend. von bekannten wurde ich bemitleidet: die arme, hat die olle kiste von ihrem opa geerbt und kann sich kein gescheites auto leisten. dass ich es mir bewusst so ausgesucht hatte konnte niemand verstehen.

    und es kam wie es kommen musste: da ich einfach nur fuhr, niemals die ventile einstellte und auch keine ahnung hatte wie so ein oller diesel klingen muss fuhr ich den motor einfach kaputt: nockenwellenhalter gebrochen, nix ging mehr.

    eigentlich wäre das der zeitpunkt gewesen die kiste einfach nur wegzuwerfen und es als lehrgeld zu verbuchen. aber da mein papa einen motorenbauer für schiffsdiesel kannte wurde der motor kurzerhand komplett neu aufgebaut. weiter ging die wilde fahrt.


    irgendwie lernte ich eddy und SE kennen und so nahm ich an meinem ersten autotreffen teil: Beckum 2007


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    und so nahm der weg ins forum seinen lauf :sinnlos:

    lokschuppen 2007:


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    durch nickel fing ich mit dem schrauben an.

    er tauschte mir das mittellager, damals noch in bayern auf dem hof der brauerei:


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    nickel zog nach dortmund, die erste laubenparty fand statt:


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    ich fuhr strich 8, schön günstig betrieben mit pflanzelöl und konnte nicht verstehen was leute an neuen autos gut finden. irgendwann habe ich ein bißchen rost gefunden, der musste natürlich weg, mein papa hatte einen bekannten der schweißen konnte, also war der plan dass wir alles freilegen und er dann schweißt, alles auf der terrasse meines papas. und so fingen wir an:


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    natürlich wurde aus ein bißchen rost, viel rost. der schweißer hatte auf einmal eheprobleme und tauchte nie auf. aber ein bekannter von ihm wollte das projekt übernehmen, das auto zog nach dortmund in eine werkstatt um. dieser bekannte wurde dann krank, nix ging voran. irgendwann erbarmte sich der chef und "schweißte" innerhalb kürzester zeit das auto wieder zusammen, ende vom lied: völlig verpfuscht S_M


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    ich hab geheult, nickel hatte mordlust. also standen wir etwas ratlos vor einem haufen mist.

    ich hatte aber schon seit ewigkeiten einen termin zum hohlraumversiegeln. der nette chef fragte auch öfter mal nach wo denn das auto bliebe, als ich ihm mein leid klagte meinte er nur kein problem, soll ich trotzdem vorbeibringen, schweißen könnten die wohl auch. also zog der benz nach mülheim um und die fingen fröhlich an mit der bestandsaufnahme:


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    so ein benz kann ganz gut rosten )A(


    es fehlten jede menge reparaturbleche, die werkstatt besorgte einen schlachtwagen um dort die erforderlichen bleche rauszutrennen.


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    als die karrosse endlich eintraf stellten wir fest, dass es sich um ein rostfreies coupe mit motorschaden aus kalifornien handelt, quasi jackpott. :rock: der entschluss den grünen rosthaufen aufzugeben und alles an technik in den weißen zu bauen fiel schnell. evtl. sogar mit übernahme der fahrgestellnummer, man tauschte ja nur das verschleißteil "blech" aus :gruebel: sonst gäbe es evtl. probleme mit dem h-kennzeichen, wegen des dieselmotors? oder vll. doch den schicken 6-zylinder wieder aufbauen und endlich ein originales /8-coupe zu besitzen? nein, nein, mit benziner wäre es nicht mehr mein auto, also sollte bitte alles umgebaut werden, zur not dann halt ohne h. ob er denn wieder grün werden sollte? schweren herzens entschied ich mich dagegen, das taschengeld war auch irgendwann mal alle, ich hatte e die letzten 2 jahre nur für dieses auto gearbeitet, aber irgendwann ist man soweit gegangen, da gilt aufgeben nicht mehr.


    und die superwerkstatt in mülheim leistete dann auch gute arbeit, das auto bekam reguläre papiere und auch der diesel wurde wieder mit h eingetragen :rock:


    und so fuhr ich endlich wieder strich 8, zwar nur noch im sommer, man lernt ja dazu, aber alltagsauto war er trotzdem. und zwischendurch auch filmstar:


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    und bis auf ein paar kleinigkeiten fuhr die kiste auch immer:


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    auch ohne lichtmaschine bis nach venedig:


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    eines nachts wurde er bei uns auf dem hof geschlachtet:


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    alle möglichen anbauteile wurden geklaut, ein glück haben die das auto dagelassen und auch keinen einzigen kratzer hinterlassen. und da ich mein auto ja mag habe ich es natürlich wieder zusammenbekommen, für benz bekommt man ja alles.

    fuhr dann auch erstmal ohne stoßstangen:


    IMG-20191110-WA0004.jpg


    natürlich konnte ich mittlerweile ein bischen schrauben, irgendwas ist ja immer, optimieren kann man ja auch immer, und so kenne ich mittlerweile jede schraube an meiner kiste. längere achse und umbau auf 5-gang-getriebe machten den lahmen diesel etwas langstreckenfreundlicher.

    irgendwann zickte der 240d rum und anstatt lange nach dem fehler zu suchen sollte das auto nun endlich perfekt werden: ein 5-zylinder 3l diesel den ich von ölfuß hatte zog ein.


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    natürlich nicht ohne jede menge stolpersteine, aber nachdem ich vor 2 wochen ein passendes diff eingebaut habe und in verbindung mit dem 5-gang ist das auto nun endlich genauso wie ich es immer haben wollte, hat ja auch nur 20 jahre gedauert :michi:

    auf die nächsten 20 jahre mit meinem ersten auto :uglybeer:


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  • Schöne Geschichte, liebe Wiebk. Den ersten eigenen Schröchel besitzen vermutlich die wenigsten von uns Älteren hier. Ich bewundere das immer sehr,wenn jemand mit seiner Karre durch Dick und Dünn geht.

    Auf die nächsten 20 Jahre!

  • Schöne Geschichte, Glückwunsch dazu.

    Ich könnte mich in den Arsch beißen das ich damals die (finanzielle) Möglichkeit nicht hatte meinen ersten Hobel zu behalten.

  • Ich habe diese schöne Geschichte auch soeben genossen.

    Glückwunsch

    Der Taunus ist jetzt im Februar auch schon 20 Jahre bei uns. Kaum zu glauben .

  • Schöne Geschichte, liebe Wiebk. Den ersten eigenen Schröchel besitzen vermutlich die wenigsten von uns Älteren hier. Ich bewundere das immer sehr,wenn jemand mit seiner Karre durch Dick und Dünn geht.

    Auf die nächsten 20 Jahre!

    Meinst Du den Benz ider Nick 😎?

    Klasse Geschichte

  • Ach die Karre is wieder gut und fertig?

    Dann kann der ja wieder draußen parken.

    Die Hühner brauchen nen 2. Stall.

  • Kleine Verzögerung. Wischwaschdüsen

    waren noch zu kontrollieren. Wetter.

    Wenn die Schulen ausfallen gehen wir auf Nummer sicher.

  • Sehr schöne Geschichte.

    Mein erster war ein 601er, den habe ich nicht mehr. Aber den Capri jetzt auch schon 20 Jahre.