Oximanie

  • Sonntag war's, schön war's. Da denke ich so bei mir: Gehen wir doch ein wenig Autowandern. Wie in Zeiten des günstigen Sprits, lange bevor seelenloses Trompetenblech aus Japan und Korea unsere Schrottplätze wie eine Epedemie überschwemmte und somit eine unserer letzten Zufluchtsstätten auslöschte. Wie entspannend war es doch, einfach so aus Langeweile über den Platz zu schlendern, die warme Sonne auf dem Haupte, Lustwandeln zwischen all den ausrangierten Autowagen, die in den 60ern und 70ern noch stolz vor dem Reihenhaus standen und Vati stolz machten. Man setzte sich hier und dort in eine dieser vergessenen Karossen, streichelte zärtlich über das rissige, vergilbte Armarturenbrett, legte die Hände aufs abgegriffene Lenkrad und genoss den Geruch von abgewetzten Fellbezügen auf den Sitzen und dem Kunstleder, das in der Sonne langsam vor sich hinschmolz. Und ich stellte mir vor, wie ich Steuer eines dieser Mercedes S, Ford Granada, Taunus oder Opel Kapitän auf die Reise ginge, auf einer Strasse ins Irgendwo und ohne Wiederkehr.
    Doch diese Zeiten sind vorbei. Heute heissen Schrottplätze schlicht Fahrzeugverwerter, auf den Platz darf man auch nicht mehr. Gebrauchte Autoteile sind bereits ausgebaut, katalogisiert, digital erfasst und liegen im Regal. Und die gummibereiften Helden unserer Jugend sind längst aus dem Jetzt verschwunden, aus dem Strassenbild wie von den Schrottplätzen, die auch immer ein wenig Ort des Rückzugs und der Entspannung waren.
    Doch dann, völlig unerwartet, ist dieses Gefühl wieder da, als ich bei einem "Händler" vorbeikomme, dessen Platz zum Lustwandeln einlädt. Nur ganz kurz, für einen kleinen Moment, fühle ich mich zurückversetzt. Was der "Händler" anpreist, erinnert mich an damals, den glücklichen Schrottplatz-Zeiten - blühende Rostblumen, vergilbter Chrom, und der Duft eines abgelaufenen Autolebens liegt in der Luft, dass nur darauf wartet, gerettet zu werden.



    Wenn die warme Herbstsonne den Asphalt küsst, muss das Blech einfach hinaus an die frische Luft



    Symphonie in gelb, grün und braun



    Als Design diesen Namen noch verdiente



    Dieses in der Sonne leuchtende Logo zieht mich magisch an - genau wie die grünen runden Embleme auf den Talbot-Spiegeln, als ich noch ein Jungbär war



    17m P5 Zweitürer. Besticht mehr durch seine Form als durch seine Substanz.



    Kaum zu glauben, dass die Linie der Vernunft einst so schön aussah. Eine Erholung für die Augen, verglichen mit dem, was heute durch den Verkehr rollt.



    Flossen hoch! 80 PS reichen für einen standesgemässen Auftritt - auch wenn das Grau die ganzen Rostbläschen nicht wirklich zu kaschieren vermag



    20m P5 Hardtop Coupe. Selbst als Schrotthaufen noch elegant.



    Schrotthaufen? Nein! Er nimmt sich nur eine ausgiebige Auszeit. Gutes findet immer seinen Weg zurück auf die Strasse.



    Einstiger Schick, gezeichnet von fast 50 Jahren



    Ein früher Kadett C City. Einst verkannt, heute selten. Leider.



    Noch ein 20m P5 Hardtop Coupe. Bevor ich in die Schweiz ging, sah ich ihn jeden Tag im Essener Strassenverkehr. Fast möchte ich sagen: "Schön Dich wiederzusehen!"





    Blechkrebs im fortgeschrittenen Stadium. Doch bei genauerer Betrachtung finde ich auf jedem Karosserieteil Stellen wie diese, fast überall kommt der Lack hoch oder hat Risse. Wenn ich doch nur mehr Geld, Platz und Zeit hätte...



    17m P3. Vorher ist mir dieses Modell nie gross aufgefallen, heute entdecke ich ihn für mich ganz neu.



    Kaum zu glauben, das sowas Schickes mal als Massenware im Verkehr unterwegs war



    Diese Details! Irre, wie sich die Linien des Armarturenbretts in der Türe fortsetzen...bildschön!



    Doch auch hier ist es traurige Wahrheit: Gut gemeint ist nicht immer gut. Die Scheibenrahmen sehen noch viel schlimmer aus...Bondojob gone wrong.



    Ich trete die Heimreise an mit der Gewissheit: Wir sind die letzten unserer Art. Die Generationen nach uns werden nie wieder so intensiv und lustvoll dieses rostige Hobby geniessen können. Sie werden niemals erfahren, wie es sich anfühlt, einen ganzen Samstag auf dem Schrott Teile auszubauen, um den eigenen Wagen zu verschönern oder zu verbessern (und einen Wagen zu fahren, bei dem sowas noch ging). Es ist ganz egal, WAS wir fahren, es zählt nur, WIE wir es tun.



    Nimmt ein Sonnenbad in freier Wildbahn: Chrysler 300.



    Acht Meter lang, vier Tonnen schwer, und sauschick.



    Nicht aus Plastik, nicht geklebt. Seuffz...



    Kleines Schwätzchen unter Nachbarn. Nova und Cutlass haben sich viel zu erzählen.


    Einmal editiert, zuletzt von Grannibaer ()

  • Jau. Da habe ich damals auch meinen 17m weggeholt. Sah auch nicht viel besser aus, aber der Preis war wenigstens gut.

  • Der POTT verbirgt doch noch ungeahnte schätz, schön anzusehen die bilder. ich arbeite auf nem schrottplatz, und kann dir nachfühlen mit dem japanblech.

  • Nee, Schätze sind das nicht an der Bude. Wobei mich wundert, dass die ganzen hellblauen Fahrzeuge (alle dick gespachtelt und schlecht inner Garage übergejaucht, so wie es aussah) scheinbar weg sind, sonst hättst die ja auch fotografiert (C-Rex und weitere Altopels waren das, mein ich). Wobei der GMC mir auch sehr hellblau aussieht. Selbes Spiel mit dem? Der stand da nämlich vor nem halben Jahr noch nicht.

  • Der GMC machte einen soliden Eindruck. War türkis gelackt und gut gemacht. Blau war da sonst nichts. Ausser mir.

  • bei dem laden hat graastyps granada seinen ersten tüv in seinem besitz bekommen.
    das sagt doch wohl alles über den laden... :mo:

  • mein granada ist gut.


    der typ von dem laden damals war nett.


    ich guck da auch immer mal wieder gerne.


    große geister formen kurze sätze.